Der Aufstand des Fleisches
Am Ende liegt ein Mann in der Badewanne. Macbeth, der Machtmensch, der Karrierist, der über Leichen geht, ist tot. Der Kopf ist zur Seite gefallen, wobei er sich auf ein Handtuch stützt, das ihm kurz vorher sein einstiger Rivale Macduff vorsichtig um das Handgelenk gewickelt hatte. Geradezu fürsorglich und besorgt begleitet dieser ihn zur Wanne, in der sich Macbeth wie zum Schlafen ablegt.
Mit einer Referenz auf das berühmte Foto des toten CDU-Politikers Uwe Barschel, der ein Jahr zuvor unter mysteriösen Umständen tot in der Badewanne eines Hotelzimmers aufgefunden wurde, beendet Johann Kresnik 1988 seine Parabel von Macht und Machtverlust des schottischen Königs Macbeth. Die Einsicht, dass Geschichte andauert und Gewalt nach wie vor unsere Gesellschaft strukturiert, war der Motor für Johann Kresniks choreografisches Schaffen, das in über 50 Jahren mehr als hundert Stücke hervorgebracht hat. Seine «Macbeth»-Inszenierung sollte zu Kresniks erfolgreichsten und beliebtesten Arbeiten werden. Zuletzt wurde das Stück im vergangenen Herbst am Landestheater Linz neu einstudiert und eröffnete im Juli, kurz vor seinem Tod, das Impulstanz-Festival in Wien.
Kresnik, 1939 als Sohn eines ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Nachruf, Seite 32
von Gerald Siegmund
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