Das Schicksal heißt Oliver Reese
Ich verstehe eigentlich nicht, weswegen Sie sich überhaupt noch die Mühe machen», schnoddert Carsten Brosda die angehenden Theatermacher:innen beim Hamburger Körber Studio Junge Regie an. Seit zwanzig Jahren versammelt das von Körber Stiftung, Theaterakademie Hamburg und Thalia Theater veranstaltete Festival unter Schirmherrschaft des Deutschen Bühnenvereins hoffnungsfrohe Regiestudierende in der Hansestadt, aber der Bühnenvereinsvorsitzende (und im Nebenjob Hamburger Kultursenator) Brosda verdirbt konsequent die Feierstimmung: «Sie gelten als die Theatergeneration der Zukunft.
Als ob Sie überhaupt noch eine hätten!»
Was natürlich eine kalkulierte Provokation ist. Die eigentlich meint: Seid skeptisch ge -genüber Fremdzuschreibungen. «Ihr seid die Zukunft des Theaters» ist so eine, und auf diese mit einem beherzten «No Future!» zu antworten, macht den Kopf erstmal frei. Worauf Brosda hoffnungsfroh das Bild des Theaters als «Zukunftsmaschine» bemüht: «Das Theater denkt und spielt die Welt als veränderbar!» Wer häufiger Reden des Sozialdemokraten hört, der kennt diese Utopie, falsch wird sie dadurch freilich nicht. Jedenfalls zeugt es von Vertrauen in die Anwesenden, wenn ihnen ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Festivals, Seite 25
von Falk Schreiber
Im Theater gewesen und wieder was gelernt. Deutschland gönnt sich als Ausrichter der Fußballeuropameisterschaft also ein umfangreiches «Kunst- und Kulturprogramm zur UEFA Euro 2024». Weil es nicht kulturvoll genug ist, wenn Teams aus allen Ecken des Kontinents dem Ball hinterherjagen und sich Zuschauer an der gebotenen Artistik erfreuen? Warum eigentlich nicht?...
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Das Patriarchat ist tot. Bleich und leblos liegt es (Sigmund Peter/Rainer Böhme) auf dem von schwarzen Stofffetzen übersäten Bühnenboden des Schauspiels Frankfurt. Es handelt sich um den Vater der vier Brüder Karamasow, Fjodor: ein unerträglicher Schwätzer, Schmarotzer und Schürzenjäger, der seine Frauen systematisch in die Verzweiflung getrieben hat. In...
