Das Rätsel Ostdeutschland
Ob die Wahlergebnisse für die AfD in Thüringen, Sachsen und Brandenburg tatsächlich «die Rache des Ostens» sind, wie Frank Castorf meint? Die atavistische Psychologie mal beiseite – einiges und einige sprechen dafür, dass die Verhältnisse komplizierter sind. Zumindest wächst nicht mehr zusammen, was für Willy Brandt zusammengehörte. Steffen Mau hat in «Ungleich vereint» genau aufgelistet, wo die alte deutschdeutsche Grenze noch steht, wo die Unterschiede bleiben – in sozioökonomischer, demografischer und kultureller Hinsicht.
«Sozialstrukturell sind das Wirtschaftsbürgertum, das Bildungsbürgertum und ein modernes Facharbeitermilieu schwächer ausgeprägt, deutlich mehr Menschen rechnen sich der Arbeiterschicht zu.» Im Vergleich sei Westdeutschland deutlich «mittelschichtiger», Ostdeutschland ein «Land der kleinen Leute» mit einer nach wie vor ausgeprägten «Elitenschwäche».
Demografisch dominiert eine Kombination aus «Abwanderung, Alterung und Frauenschwund» besonders in den ländlichen Regionen. Was dort zurückbleibt, sei viel «verunsicherte und reaktionäre Männlichkeit», die gerne AfD wählt. Kulturell hat vor allem die Transformationsphase der 1990er und frühen Nuller Jahre tiefe ...
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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 40
von Franz Wille
In einer rabenschwarzen Nacht hämmert eine hochschwangere Frau an die Türen einer Klinik, die direkt aus der mörderischen US-Thriller-Serie «Ratched» stammen könnte: Wer hier landet, der ist in schlechten Händen. Man sucht Hilfe und findet bloß Sadismus. Sibylle Bergs Roman «Toto oder Vielen Dank für das Leben» (2012) berichtet maximal zynisch von der...
Wo gerade noch das niedliche Ferienhaus der Familie Tyrone stand, liegt nur noch ein Bretterhaufen: Nach zwei Minuten ist es explodiert in tausend Teile. Ein Schockmoment, ein Knall -effekt für den Zuschauer, das Bild der Zerstörung danach erinnert an Überreste von Flutkatastrophen oder Erdbeben. Und so setzt Johann Simons mit seinem Hauptregieeinfall des Abends...
Finster geht es zu am Meeresgrund, und das nicht nur, weil keine Sonne durchdringt. Auch emotional wird’s höchstens grau. Man entsteht halt, treibt ein bisschen Symbiose, frisst wen auf und wird gefressen. Schlechtgelaunte Zeitgenoss:innen könnten es dabei belassen, weil es spätestens in kosmischem Maßstab ja auch die Menschheit hier oben nicht besser hat: ein...
