Auf Sand gebaut
Sechs Männer sitzen im Kreis auf der Bühne, wie ein verschwörerischer Kult um ein Lagerfeuer. Während hinter ihnen die Heidschnucken übers wolkenverhangene Land ziehen, huldigen sie in ihrer Uniform aus weißem T-Shirt über kariertem Hemd und dunkler Arbeitsschürze dem Leben auf der Heide. Die Schatten, die diese Männer im Licht des Abends an die überdimensionale Bretterwand werfen, scheinen die dunklen Dämonen zu verkörpern, die über ihnen schweben.
Es ist ein düsteres, geheimnisvolles und fesselndes Bild, mit dem Regisseur Jan Friedrich den Abend «Von Norden rollt ein Donner» am Schauspiel Magdeburg beginnt.
Kein Wunder, denn die Märchen und Mythen über die südliche Lüneburger Heide bieten genügend Stoff für eine Fasnacht – einen der wenigen Anlässe im Jahr, bei denen Jannes seine ehemaligen Klassenkameraden trifft. Im Gegensatz zu ihnen ist er in Unterlüß geblieben, einem Ort nahe einem Testgelände des Waffenherstellers Rheinmetall und ehemaligen KZ-Außenlager, wo er sich mit einem kranken Vater und einem autoritären Großvater konfrontiert sieht, die den Wolf fürchten.
Auf einer Reihe senkrecht in die Höhe ragender Bretter, die wie ein Zaun wirken und vor tieferen Einblicken ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Anna Hoffmeister
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