Auf die Straße, so lange es geht

Ein Jahr lang hat die georgische Theaterszene die Proteste gegen die prorussische Politik der Regierungspartei angeführt – und dabei Federn gelassen. Doch ihr Widerstandsgeist ist ungebrochen. Ein Besuch beim Georgischen Showcase in Tbilisi und am Staatstheater Wiesbaden, wo Mikheil Charkviani Roland Schimmelpfennigs «Antigone» inszeniert hat

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Die alte Wein-Fabrik an der Melikishvili Straße ist ein Musterbeispiel für die Gentrifizierung Tbilisis. Schicke Bars und Restaurants verteilen sich auf das historische Gebäude samt umliegendem Stadtgarten; ein edler Concept-Store für georgische Antiquitäten, Kunst und Mode bietet seine hochpreisige Ware beinahe klandestin im Inneren an. Ganz unten, im Kellergewölbe zur Straße hin, betreibt die freie Gruppe Haraki (dt.

Chaos, explosive Energie) seit vier Jahren ein Theater – von einem der Zuschauerräume aus blickt man sogar durch die vergitterte Decke auf die verstaubten Weinflaschen in der Etage darüber.

Während des Georgischen Showcases, der Ende September in Tbilisi stattfand, zeigt die junge Truppe um Autorin Mariam Megvinyte und Regisseur Sandro Kalandadze dort einen vierstündigen «Hamlet», der ausländische Besucher:innen direkt in die Gedankenwelt junger Georgier:innen hineinzieht. Die Gruppe, die sich 2019 bewusst außerhalb staatlicher Theaterstrukturen gegründet hat, zieht dabei viele Register des experimentellen zeitgenössischen Theaters, sei es durch die Nutzung von Raum und Video, Mariam Megvinytes ergänzende Texte oder das körperlich intensive Spiel des Ensembles. Der ...

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Theater heute Januar 2026
Rubrik: International, Seite 46
von Eva Behrendt

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