Armut, reich verkörpert
Lukas Bärfuss’ Roman «Die Krume Brot» kreist um das Thema Armut. Da ist es konsequent, wenn das Inszenierungsteam um Regisseur Antú Romero Nunes und die Basler Compagnie sich für ihre Uraufführung einer Art «Armem Theater» à la Jerzy Grotowski verschreiben. Als nach etwa 20 Minuten ein weißer Sessel auf die Bühne getragen wird, wirkt der fast wie ein Störmoment. Denn bisher gab es keine Requisiten zu sehen. Obwohl in der von Bärfuss neu geschriebenen Rahmenfassung Autor Lukas mit seiner Geliebten Emma in deren reich möblierter Wohnung diskutiert.
Wir sehen die Garderobe in der Diele, die Stereoanlage im Wohnzimmer, das Bad mit Waschbecken und Toilette, bestaunen die Pflanzen auf dem Balkon.
Das Publikum sieht das alles. Denn die Spieler:innen der Basler Compagnie sind selbst: Garderobe, Stereoanlage, Badausstattung. Da werden Finger zu Garderobenhaken, sich wiegende Arme zu Pflanzen, sich greifende Hände zum Toilettensitz. Da schwingt Vera Flück ihre Arme im Sekundentakt, lässt dazu die Augen im selben Rhythmus von links nach rechts «ticken»: die Standuhr, klar. Was sonst? Und Kay Kysela singt die Lieder, die seine mimische Nadel auf der Schallplatte ertastet. Arme Kunst? Von ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Valeria Heintges
AALEN, THEATER
15. Sophokles, Antigone
R. Julius Max Ferstl
ALTENBURG/GERA, THEATER
23. Kressin, Rhythm Is a Dancer (U)
R. Manuel Kressin
28. Higgins, Harold und Maude
R. Damian Popp
ANNABERG-BUCHHOLZ, ERZGEBIRGISCHE THEATER
8. Sherman, Sherman, Sams und Roderick, Tschitti Tschitti Bäng Bäng
R. Stefan Haufe
AUGSBURG, SENSEMBLE
22. Schimmelpfennig, Die Frau von...
«Dass die Miliz sich einschifft nach Batavia, den eingebornen Kön’gen dort (...) Raub zum Heil der Haager Krämer abzujagen.»
Diesen Satz von Kleist muss man verstanden haben, will man Philipp Preuss’ Inszenierung des «Zerbrochnen Krugs» im Theater an der Ruhr verstehen. Aber er kommt erst ganz am Schluss. Also rätselt man herum, warum in der altbekannten Geschichte...
Beseelt lächelnd lässt er sich die Schlinge um den Hals legen: Dietrich Bonhoeffer, der Erlöser. Dann wird es schwarz. Die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden wird aufgerufen, dann kommen Aufrufe zum Widerstand gegen Antisemitismus, der 2023 mehr Applaus fand als je zuvor seit Beginn der Zählungen 1979: «As Dietrich said: Silence in the face of evil is itself...
