Amore geht immer
Mit Scherben und Brandalarm startet die Liebesgeschichte von Romeo und Julia in Zürich, die Capulets und die Montagues können sich nicht ausstehen, kleine Brandstiftungen erhalten die Feindschaft. «Es ist heute», macht ein Chor von «Terroristen» eingangs klar: «Dein Wohlbefinden und die Welt brennen. Die Wände zu deinen Herzkammern sind stabil wie Esspapier. Schlechte Laune ist normal. Du bist dir ganz sicher: Nichts wird mehr gut sein. Deshalb haben wir hier eine Geschichte für dich. In dieser Geschichte verlieben sich die Feinde inein -ander.
Es gibt viele Anlässe zu allerlei Tränen: Rührung, Trauer, Ohnmacht, andere Gefühle. Hoffentlich heitert es dich auf.»
Als ob sie von all dem nichts wüssten, stehen sich Romeo (Maximilian Reichert) und Giulietta (Kathrin Angerer) auf Balkonen gegenüber – nicht nur sie hat einen Balkon wie gewohnt, sondern neu auch er, und sie stoßen quasi aneinander. Die verliebten Feinde sind sich ähnlich, Capulets und Montagus sind das präzise Spiegelbild voneinander. Zwei identische wohnturmähnliche Kuben drehen sich auf der Bühne von Jana Wassong, Pappgewehre an den Wänden, Kristalllüster, gehobene Warlords.
Kostümbildnerin Laura Kirst steckt sie in re ...
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Theater heute April 2025
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Andreas Klaeui
Am Schluss darf sie endlich reden, allein – ein Moment der Klarheit aus der Distanz oder gar Isolation, denn zumindest auf der Bühne hört ihr da keiner mehr zu. Davor macht Heinrich von Kleists aberwitziges Enthüllungsdrama vom Beginn des 19. Jahrhunderts in anderthalb Stunden voll turbulenter Komik und unterschwelliger Gewalt die Me-Too-Debatte von heute beinahe...
Englisch» – wenn er über Stücke und Aufführungen sprach, kannte Jürgen Bosse kein höheres Prädikat. Und meinte damit schnörkelloses Schauspielertheater, direkte Töne, klaren Gegenwartsbezug. Sein unprätentiöses Ideal verfolgte er als langjähriger Schauspieldirektor und Intendant in Mannheim, Stuttgart, Essen, der auch an der Wiener Burg und am Schauspielhaus Zürich...
Das Adjektiv «entschieden» ist fast eine Untertreibung dessen, was man aktuell am Hessischen Staatstheater wagt: Man setzt das Publikum nicht einfach nur einer über einstündigen, nonverbalen Darstellung aus, sondern zeigt das Ganze auch noch konsequent in Slow Motion. Marie Schleefs Uraufführung von «ER PUTZT», Valeria Gordeevs Gewinner-Text beim Ingeborg...
