Zwischen Strich und Hiebe
Der Russe ist einer, der nicht nur Birken, sondern auch Zoff liebt. Seine sentimentale ist die eine Seite, die andere aber ist unberechenbar: Aus der Haut kann er fahren, wenn ihn das Fell juckt, das dann das einer Bestie ist. Wenn man ihn ärgert, den Russen, dann versteht er keinen Spaß mehr. So könnte es in einem Lexikon der Vorurteile und Pauschalisierungen zu lesen sein, so wird es einem aber tatsächlich im Mainzer Theater vorgeführt.
Der 1978 geborene, aus Wolgograd stammende Autor Alexander Moltschanow zeigt in seinem jüngsten Stück «Mörder» ein Trio Radikal im Russland des Jahres 1993, das in der Kampfzone zwischen geplatzten Träumen und verpassten Chancen im
turbokapitalistischen Minenfeld das Überleben und das Glück probt. Es sind Studenten, denen wir begegnen in einem harten Moskauer Alltag, der freilich kaum Zeit lässt, sich den schönen Künsten oder der Wissenschaft zu widmen, weil man zuallererst für seine blanke Existenz zu sorgen hat. Wenn Gott (oder die Partei) nicht mehr lenkt, dann hilft auch dem Menschen das Denken nicht mehr: Er muss kämpfen ums nackte Überleben. Folgerichtig findet eine Verrohung von Kopf und Herz statt, die einst gepflegte Gebildeten-Sprache ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Mainz, Seite 66
von Bernd Noack
Aalen, Theater der Stadt
3. Stückentwicklung, From there to (no)where. Theaterprojekt mit Flüchtlingen
R. Marguerite Windblut
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
21. Lindgren, Pippi Langstrumpf
R. Urs Alexander Schleiff
Coburg, Landestheater
7. nach Ende, Die unendliche Geschichte
R. Yvonne Schwartz
Dessau, Anhaltisches Theater
12. Goethe, Iphigenie auf Tauris
R. André...
Vor knapp einem halben Jahrhundert wurde, so heißt es, unter Kurt Hübner in Bremen das Regietheater erfunden: Unter anderem 1966, mit Peter Zadeks Skandalinszenierung «Die Räuber», die Schillers Debüt nicht stürmend und drängend als Leidenschafts–überschuss deutete, sondern als bis ins Letzte ausgeleuchtete Bigger-than-life-Kolportage, für die Wilfried Minks ein...
Der Traum von Astoria währte nur kurz. Wie eine Steueroase in der Karibik liegt der ideale Staat vor den beiden fliegenden Schauspielern, paradiesische Strände und eine menschenwürdige Gesellschaft erwarten sie dort. Fürsorge für die Armen und niedrige Abgaben für die Reichen – ein unmögliches Versprechen also und kein Wunder, dass die Illusion in sich...
