Wolfgang Kralicek: God save the Queen of Kalauer
Andere gehen zum Ausgleich joggen oder schwimmen. Elfriede Jelinek schreibt Komödien um. Es ist schon kurios: Ausgerechnet eine Autorin, deren eigene Stücke mit der konventionellen Dramenform wirklich nichts mehr zu tun haben, unterbricht die Textflächenproduktion immer wieder, um sich mit Dramen konventionellster Bauart zu beschäftigen, den Farcen von Feydeau und Labiche oder den Salonkomödien von Oscar Wilde. Sechs Jahre nach ihrer «Bunbury»-Version «Ernst ist das Leben» liegt mit «Der ideale Mann» nun Jelineks zweite Wilde-Bearbeitung vor.
Wobei: Was Jelinek da mit Wilde gemacht hat, lässt sich gar nicht so leicht klassifizieren. Eine Neuübersetzung ist es nicht (dafür zeichnet Karin Rasch verantwortlich), und für eine Nachdichtung bleibt Jelinek zu nah an der Vorlage. «Nachsetzung» oder «Überdichtung» wären passendere Begriffe. Am besten aber trifft es der in der Musik gebräuchliche Terminus «Remix»: DJ Jelinek verpasst einem bekannten Stück einen neuen Beat und den Sound, der sie berühmt gemacht hat.
Im Mittelpunkt von «An Ideal Husband» (1895) steht der Staatssekretär Sir Robert Chiltern, dessen makelloses Image akut bedroht ist: Die aus Wien (!) angereiste Mrs. Chiveley weiß, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Wolfgang Kralicek
Franz Wille Das Thalia Theater hat gewagt, was sich noch kein anderes Theater getraut hat – es hat das Publikum eingeladen, über den nächsten Spielplan abzustimmen: «Vier Inszenierungen im Großen Haus werden vom Publikum vorgeschlagen. Die drei meistgenannten Stücke werden aufgeführt. Versprochen.» Die Auswahl hat kurz vor Weihnachten stattgefunden, dem Theater...
In einem halbseidenen Tallinner Nachtclub kommt Estland also ganz zu sich: Alkohol schwängert die Luft und Koks penetriert die Hirne. Beats brummen. Ein Este kracht dem britischen Inspektor Ignatius Stone vor die Stirn: «Die Pest hat uns gefickt. Die Hungersnot hat uns gefickt. Die Schweden haben uns gefickt. Die Deutschen haben uns gefickt. Die Russen haben uns...
Biljana Srbljanovics «Das Leben ist kein Fahrrad», abgedruckt im Januar-Heft, wurde von Mirjana und Klaus Wittmann aus dem Serbischen übersetzt.
