Wilde Zeiten
Wir machen einen Sprung, dreißig Jahre zurück, ins Jahr 1989: Die DDR wackelt, die Situation ist zunehmend angespannt. Sie sind als Tänzer in Leipzig beziehungsweise Gera engagiert. Wie ist Ihre persönliche Lage?
Mario S.: Ich hatte Reiseverbot für das westliche Ausland, obwohl es Angebote für eine Europatournee mit meinem Soloprogramm gab. Wenn die Leipziger Kompanie reiste, etwa nach Spanien oder in die damalige BRD, wurde ich ausgetauscht. Einmal ist mein Ersatz allerdings direkt in der BRD geblieben.
Dabei wäre es mir selbst gar nicht eingefallen, das Land zu verlassen, zu flüchten und meine Familie und Freunde zurückzulassen.
Haben Sie sich an den Demos in Leipzig beteiligt?
Mario S.: Ja, und schon bei den ersten Demonstrationen, zu denen ich ging – lange vor Oktober 1989 – war es manchmal gefährlich. Ich erinnere eine Situation an der Nikolaikirche, als die Polizei die Leute sporadisch, aber auch ganz gezielt aus der Menge herausgriff. Meine größte Sorge war, dass ich zu spät zur «Dornröschen»-Probe in den Ballettsaal komme. Plötzlich sind alle Demonstranten panisch auseinandergerannt. Ich lief in Richtung Opernhaus, als unmittelbar hinter mir ein Zivilauto hielt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Mach doch was mit Tanz», hatte seine Mutter gesagt. Und da Mark Christoph Klee gerade nichts Besseres einfiel, bewarb er sich in Amsterdam an der University of the Arts – und wurde genommen. 1993 im beschaulichen Neumünster geboren, hatte er als Jugendlicher viel getanzt, vor allem Hip-Hop. Ab 2012 studierte er Modern Theatre Dance in Holland, eine Dringlichkeit...
Warum, fragt man sich irgendwann an diesem Abend, kommen die politischsten Schocker der europäischen Tanzgegenwart ausgerechnet aus Großbritannien? Von Kompanien und Choreografen, die frei flottieren, die weder erkleckliche Subventionen kassieren noch an festen Häusern residieren, aber Kunst mit ebenso viel Engagement betreiben wie Community-Arbeit und insofern an...
60 Jahre NDT: Kunstkamer
Diese «Kunstkamer» hat tausend Türen, und hinter jeder kommt ein Stück Choreografie zum Vorschein, das ganz eigen ist – denn immerhin handelt es sich um die Jubiläumsproduktion zum 60-jährigen Bestehen des Nederlands Dans Theater. NDT-Chef Paul Lightfoot hat sich dafür den «Thesaurus» von Albert Seba (1665 – 1736) zum Vorbild genommen:...
