Gott des Gemetzels

Akram Khans «Outwitting the Devil» greift nach einem uralten Mythos – und prangert die Umweltzerstörung der Gegenwart an. Das Stück der Stunde.

Warum, fragt man sich irgendwann an diesem Abend, kommen die politischsten Schocker der europäischen Tanzgegenwart ausgerechnet aus Großbritannien? Von Kompanien und Choreografen, die frei flottieren, die weder erkleckliche Subventionen kassieren noch an festen Häusern residieren, aber Kunst mit ebenso viel Engagement betreiben wie Community-Arbeit und insofern an die Alltags-realitäten angeschlossen sind? Wieso formuliert kaum ein Tanzmacher auf dem Kontinent so gestochen scharf, was derzeit im Argen liegt – ohne die ästhetische Dimension zu zerfasern, penetrant zu verbeulen oder schlic

ht zu ignorieren? 

Theater der Grausamkeit

Tatsache ist: Wie die Kollegen und Inselbewohner Hofesh Shechter und Wayne McGregor versteht sich auch Akram Khan auf ein formstrenges Theater der Grausamkeit. Auf einen Schrecken, dessen Schönheit man nie mehr vergisst. Der einen wehrlos mit sich fortreißt und einer Droge gleicht, die Beklemmung erzeugt und totale Euphorie. Die Überwältigung, die Khans jüngstes Meisterwerk «Outwitting the Devil» bei der Uraufführung im Rahmen des koproduzierenden Stuttgarter Festivals «Colours» ausgelöst hat, verliert sich nicht. In Träumen, Gedankenströmen zwischen ...

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Tanz November 2019
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Dorion Weickmann