Virtual Reality
Ein komisches Gefühl, sich mittels VR-Brille und Headphones von der realen Welt abzuschotten, um ein Ballett anschauen zu können. Hat man das seltsame Equipment aber erst einmal angelegt und den Film gestartet, wird man augenblicklich in eine faszinierende, dreidimensionale Welt aus Bewegung, Bild und Klang hineingezogen. Man kann auf seinem Drehstuhl eine 360°-Drehung vollführen und in alle Richtungen schauen.
Überall tauchen Tänzerinnen in weißen Tutus auf – vorne, hinten, links, rechts: Entfernte und doch so nahe Geistererscheinungen formieren sich zu den denkbar schönsten Tableaus. Und man selbst ist mittendrin. Dann beginnen die Principals Anna Tsygankova und Artur Shesterikov ein Duett zu tanzen, gleich einer Traumsequenz. Der junge Niederländer Pieter van Loenen begleitet das Paar auf der Violine, kommt dann geradewegs auf den Zuschauer zu, mit durchdringendem Blick: Das ist die Einladung zum Betreten seiner Welt, einer Welt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit zu verschwinden scheinen. Um das komplette Erlebnis zu genießen, sollte man sich «Night Fall», ein Ballett von acht Minuten Dauer, mindestens dreimal anschauen. Um einen herum passiert einfach zu viel, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 68
von Alexander Hiskemuller
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr...
Welchen Grund mag es für einen stolzen Kubaner geben, von seiner sonnigen Karibikinsel ins kalte, dunkle Norwegen zu ziehen? Nach «Blond-Land», wie er es irgendwann tauft? Damals ist Osiel Gouneo 22 Jahre alt und bereits Erster Solist beim Nationalballett seiner Heimat, mit draufgängerischer Virtuosität tanzt er fast sämtliche Rollen quer durchs klassische...
Nymphe, Amazone, Diva, Punk, Girlie: Claire Vivianne Sobottke ist eine Gestaltwandlerin. Weibliche Personae sonder Zahl verkörpert sie in ihren Performances, und oft genügt ihr eine Minimalbewegung, um ein Klischee aufzufächern: Mit einem gezierten Kopfschütteln markiert die Sobottke selbstbewusste Unschuld, mit wildem Headbanging begleitet sie ein enthemmtes...
