Virtual Reality
Ein komisches Gefühl, sich mittels VR-Brille und Headphones von der realen Welt abzuschotten, um ein Ballett anschauen zu können. Hat man das seltsame Equipment aber erst einmal angelegt und den Film gestartet, wird man augenblicklich in eine faszinierende, dreidimensionale Welt aus Bewegung, Bild und Klang hineingezogen. Man kann auf seinem Drehstuhl eine 360°-Drehung vollführen und in alle Richtungen schauen.
Überall tauchen Tänzerinnen in weißen Tutus auf – vorne, hinten, links, rechts: Entfernte und doch so nahe Geistererscheinungen formieren sich zu den denkbar schönsten Tableaus. Und man selbst ist mittendrin. Dann beginnen die Principals Anna Tsygankova und Artur Shesterikov ein Duett zu tanzen, gleich einer Traumsequenz. Der junge Niederländer Pieter van Loenen begleitet das Paar auf der Violine, kommt dann geradewegs auf den Zuschauer zu, mit durchdringendem Blick: Das ist die Einladung zum Betreten seiner Welt, einer Welt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit zu verschwinden scheinen. Um das komplette Erlebnis zu genießen, sollte man sich «Night Fall», ein Ballett von acht Minuten Dauer, mindestens dreimal anschauen. Um einen herum passiert einfach zu viel, ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 68
von Alexander Hiskemuller
Am Tanz hat mich immer interessiert, dass er Wissen – Haltungen, Praktiken, Techniken – weitergibt. Ohne den Transfer von Körper zu Körper würde dieses Wissen verschwinden. Tanz ist eine Körpertechnik, das Medium zugleich das Instrument. Das schien mir stets ein «antiwestliches» Moment zu sein, wie es sonst nur unterschiedlichen Formen der Meditation eigen ist. Die...
Ich weiß nicht, wer diese Anregung geprägt hat: «Move out of your comfort zone». Ich persönlich habe sie vor vielen Jahren in einem Workshop von Andrew Harwood erstmals bewusst wahrgenommen und konnte mich sofort damit identifizieren.
Die Komfortzone verlassen, sich ins Ungewohnte bewegen, etwas anderes tun oder es zumindest auf eine andere Art und Weise versuchen....
Visionen sind toll. Doch irgendwann müssen sie konkrete Form annehmen. John Cranko, Direktor des Stuttgarter Balletts, wusste das wie kein anderer und verkämpfte sich zäh für eine eigene Ballettschule: Nur mit einer eigenen Ausbildungsstätte ließ sich der Traum von einer unverwechselbaren Kompanie realisieren. So wurde die 1971 von ihm gegründete Schule in...
