Virtual Reality
Ein komisches Gefühl, sich mittels VR-Brille und Headphones von der realen Welt abzuschotten, um ein Ballett anschauen zu können. Hat man das seltsame Equipment aber erst einmal angelegt und den Film gestartet, wird man augenblicklich in eine faszinierende, dreidimensionale Welt aus Bewegung, Bild und Klang hineingezogen. Man kann auf seinem Drehstuhl eine 360°-Drehung vollführen und in alle Richtungen schauen.
Überall tauchen Tänzerinnen in weißen Tutus auf – vorne, hinten, links, rechts: Entfernte und doch so nahe Geistererscheinungen formieren sich zu den denkbar schönsten Tableaus. Und man selbst ist mittendrin. Dann beginnen die Principals Anna Tsygankova und Artur Shesterikov ein Duett zu tanzen, gleich einer Traumsequenz. Der junge Niederländer Pieter van Loenen begleitet das Paar auf der Violine, kommt dann geradewegs auf den Zuschauer zu, mit durchdringendem Blick: Das ist die Einladung zum Betreten seiner Welt, einer Welt, in der die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit zu verschwinden scheinen. Um das komplette Erlebnis zu genießen, sollte man sich «Night Fall», ein Ballett von acht Minuten Dauer, mindestens dreimal anschauen. Um einen herum passiert einfach zu viel, ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 68
von Alexander Hiskemuller
Der Körper scheint als Medium zunächst ganz ungeeignet für Utopien. Während die Literatur eine utopische Zukunft projizieren kann, fehlt dem Körper ein solcher Zukunfts-Modus. Auch ist die im Utopiebegriff implizite Unmöglichkeit zumindest mit einem lebendigen Körper nur schwer vereinbar. Wir können Utopien in Geschichten und Traktaten erdenken. Wenn sie den Körper...
Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich...
Für den Residenzaufenthalt im Goethe-Institut Kyoto ist es Bedingung, dass man sich mit einem auf Japan bezogenen Projekt bewirbt. Ich schlug vor, die traditionelle japanische Teezeremonie näher zu betrachten, die mir erstmals vor Jahren im Ethnologischen Museum in Berlin-Dahlem begegnet war und deren choreografische und skulpturale Aspekte mich sehr fasziniert...
