Verrutschte Sphären
Wenn zwei sich nicht mehr so sehr lieben, hilft – manchmal – ein Dritter. Ein Nebenbuhler, der die alte Leidenschaft – und sei es nur die Eifersucht – durch sein Begehren in den Köpfen neu entfacht.
James Joyce, der Erfinder des Bewusstseinsstroms, war Zeit seines Lebens besessen von dieser Art des Liebesspiels über die Bande eines imaginierten Dritten, mal, wie in «The Dead», der berühmten Schlusserzählung der «Dubliners», als schuldbehaftete Erinnerung an den toten Geliebten, oder wenn Leopold Bloom im «Ulysses» sich seine Molly in den Armen aller möglichen Männer vorstellt, sie sogar mit seinem geistigen Ziehsohn Stephen Dedalus verkuppeln will.
In seinem einzigen erhaltenen Drama «Exiles» (Verbannte), an dem er zwischen 1914 und 1918, nach der Vollendung von «Portrait of the Artist as a Young Man» und parallel zu «Ulysses» arbeitete, entwickelt Joyce Motive aus «The Dead» weiter und entwirft eine geheimnisvolle, von Verdachtsmomenten und Wunschvorstellungen befeuerte doppelte Dreieckskonstellation. Nach einem längeren Rom-Aufenthalt zurück in Dublin begegnen der Schriftsteller Richard Rowan, unschwer zu erkennen als Alter Ego des Autors, und seine Lebensgefährtin Bertha ...
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Theater heute Februar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
Personen
Die Junge (30)
Die Mittlere (50)
Die Alte (90)
4 SCHWESTERN
(die Hundsmäuligen)
Das Beil, das Männer mordet, reiche mir einer rasch!
(Klytaimnestra)
Drei Betten, für Die Junge, Die Mittlere, Die Alte, und also wie drei Häuser und zugleich die Schließanstalten, in welchen die vier hundsmäuligen Schwestern diese Betten zu bewohnen pflegen...
An markanten Setzungen fehlt es nicht: Das Happy End ist gestrichen, anstelle einer Jugendfreundschaft verbinden Mafia-Bande die Könige Leontes und Polixenes, die gesamte Handlung wird als Rückblick, vielleicht als Halluzination des greisen Leontes erzählt. Roberto Ciulli und sein Dramaturg Helmut Schäfer haben Shakespeares selten gespieltes «Wintermärchen» am...
Die Intendanz eines gut laufenden Theaters zu übernehmen, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann man auf ein an zeitgemäßen Theaterformen geschultes Publikum vertrauen, muss wenig Aufbauarbeit leisten. Andererseits steht man in Schuhen, die einem leicht zu groß erscheinen können. Einfach ist es also nicht für Christian Firmbach, seit dieser Saison...
