Und der Mensch ist doch gut!
Wie versteinert sitzt die ältere Frau im Zentrum der Bühne. Dicke Spinnweben überziehen ihren Körper. Um sie herum hat Bühnenbildner Dirk Thiele haushohe Wände errichtet, in deren setzkastenähnlichen Auslassungen Darsteller wie Schießbudenfiguren im Halbdunkel verharren. Mit einer bizarren Märchenszenerie eröffnet Heike M. Goetze ihre bei den Ruhrfestspielen herausgekommene Inszenierung von Christoph Nußbaumeders neuem Stück «Mutter Kramers Fahrt zur Gnade». Es ist die pensionierte Lehrerin Anita Kramer, die sich hier in einer Dornröschenstarre befindet.
Nußbaumeder lässt hingegen in seinem bürgerlich volksstückhaften Text die Kaffetassen und Kuchengabeln nur so klappern: Anita schlägt nach dem Tod ihres Mannes mit Bibelkreis und undankbarer Tochter die Zeit tot, bis sie den arbeitslosen Hudi kennenlernt. Durch ihn erfährt sie eine Art Politisierung, hört erstmals von der erniedrigenden Behandlung im Jobcenter und von beschönigten Arbeitslosenstatistiken. Sie beginnt eine Beziehung mit ihm, zum Entsetzen von Rentner Kurt, der mit Anita gemeinsam in ein Seniorenheim ziehen möchte, und ihrer Tochter Carmen, die gerade Leiterin des Jobcenters geworden ist und es gemeinsam mit ihrem ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Bochum Schauspiel, Seite 60
von Natalie Bloch
Vor knapp einem halben Jahrhundert wurde, so heißt es, unter Kurt Hübner in Bremen das Regietheater erfunden: Unter anderem 1966, mit Peter Zadeks Skandalinszenierung «Die Räuber», die Schillers Debüt nicht stürmend und drängend als Leidenschafts–überschuss deutete, sondern als bis ins Letzte ausgeleuchtete Bigger-than-life-Kolportage, für die Wilfried Minks ein...
Mit dem Vater ging ich zum Flugtag auf der Vahrenwalder Heide, dem alten hannoverschen Flughafen. Vielleicht noch Ernst Udet, sicher aber die aus Hannover stammende Fliegerin Elly Beinhorn zeigten ihre Luft-Kunststücke. Mein Vater kaufte mir einen Luftballon samt einer dranzubindenden Karte, die er mit meiner Adresse versah. Denen, deren Karten am weitesten flogen...
Die junge Frau blickt streng, als sei sie von der Ausländerbehörde. Dann fragt sie, ob man schon mal im Irak gewesen sei und als Journalist Informationen über das Land gesammelt habe. Etwas später drückt Urok Shirjan einen Stempel in einen Pass, und schon nimmt man als Mitglied von «Occupy Baghdad» teil an der künstlerischen und zivilgesellschaftlichen...
