Stilwille gegen Inhaltismus

Ein Besuch bei der Ruhrtriennale mit gentrifizierungskritischen Installationen, Inszenierungen von Christoph Marthaler, Mariano Pensotti und Kornel Mundruczo – und einem betulichen Politikbegriff

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Das Beste an der Ruhrtriennale sind die tollen Orte, an die man gelotst wird. Nach all den Jahren gilt das nicht mehr so sehr für die gewaltigen deindustrialisierten Kathedralen einstiger Metallgewinnung und -verarbeitung – man kennt das inzwischen –, sondern eher für die putzigen und rührenden, bizarren bis einschmeichelnden vermeintlichen Problemzonen, an denen urbanistisch-soziologische, groß- und kleinstadtromantische und natürlich gentrifizierungskritische Installationen an den Start gebracht werden.

Jedesmal ist mein erster Reflex: Was!? Das soll das angeblich völlig heruntergekommene, von Arbeitslosigkeit gebeutelte Duisburg-Rheinhausen sein? Wo nur noch irgendein Szymanski mit dem Messer zwischen den Zähnen für Ordnung sorgen kann? Und dies der Drogenkiez der Dortmunder Nordstadt? Stattdessen Niedlichkeitsalarm: süße Arbeiterhäuschen, eine Änderungsschneiderei mit großzügigem Rosenschmuck, die Frau beim morgendlichen Bier vor der Eckkneipe mit den längsten blonden geflochtenen Extensions diesseits von fünfzehn Jahre alten R&B-Videos und der liebe verwirrte Rentner mit der coolen Pilotenbrille und der Sweatshirt-Aufschrift «Cheerleader». 

Diesen Blick des leicht in Routinen ...

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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Diedrich Diederichsen

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