Stilwille gegen Inhaltismus
Das Beste an der Ruhrtriennale sind die tollen Orte, an die man gelotst wird. Nach all den Jahren gilt das nicht mehr so sehr für die gewaltigen deindustrialisierten Kathedralen einstiger Metallgewinnung und -verarbeitung – man kennt das inzwischen –, sondern eher für die putzigen und rührenden, bizarren bis einschmeichelnden vermeintlichen Problemzonen, an denen urbanistisch-soziologische, groß- und kleinstadtromantische und natürlich gentrifizierungskritische Installationen an den Start gebracht werden.
Jedesmal ist mein erster Reflex: Was!? Das soll das angeblich völlig heruntergekommene, von Arbeitslosigkeit gebeutelte Duisburg-Rheinhausen sein? Wo nur noch irgendein Szymanski mit dem Messer zwischen den Zähnen für Ordnung sorgen kann? Und dies der Drogenkiez der Dortmunder Nordstadt? Stattdessen Niedlichkeitsalarm: süße Arbeiterhäuschen, eine Änderungsschneiderei mit großzügigem Rosenschmuck, die Frau beim morgendlichen Bier vor der Eckkneipe mit den längsten blonden geflochtenen Extensions diesseits von fünfzehn Jahre alten R&B-Videos und der liebe verwirrte Rentner mit der coolen Pilotenbrille und der Sweatshirt-Aufschrift «Cheerleader».
Diesen Blick des leicht in Routinen ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Diedrich Diederichsen
Keine schöne neue Welt, nirgends: Die zweite Wiesbaden Biennale entwirft die Topografie einer Dystopie. In den prächtigen Kitsch des neobarocken Foyers vom Hessischen Staatstheater ist die Filiale einer Supermarktkette eingezogen, in das pannesamtene Große Haus mit seinen Glaslüstern ein Parkhaus, ins Untergeschoss ein Pornokino. Werbeplakate schmücken den...
Und noch eine Homestory bei Kubitschek, Höcke schreit Schande, Weidel erklärt, wie Jagd geht, Identitäre stürmen dies, filmen das, Gauland geht baden, Spahn schilt Nacktheitsverweigerer, Seehofer schmeißt die Märklin-Bahn an, Flüchtlinge, Schande, Blut, Boden, Özil, Boateng, Steuervermeidung, Homoehe, Abtreibung, Fundis, Grenzen, Heimat. Die mediale...
Ist schon eine Weile her, dass ein gewisser Major Tom die Ground Control anfunkte und sich daran gewöhnen musste, dass irgendwas schief läuft. Das war 1969. Dreizehn Jahre nach David Bowie ließ Peter Schilling denselben Major im All schweben und sorgte dafür, dass der lost Tom «völlig losgelöst» war. Die neue deutsche Welle hielt sich mit Text nicht wirklich lange...
