Singendes Sicherheitsrisiko
Es gibt viele Legenden über Händl Klaus. Wer ihn, den Tiroler, am Schweizer Bielersee besucht, berichtet von der vorzüglichen Bewirtung durch ihn, den erstklassigen Buchtelbackkünstler. Auch seine übersprudelnde, herzliche Freundlichkeit, seine Wortzuschüttungen, die einen verstummen lassen, nachdem man nur kurz um die Uhrzeit bat, finden sich in Beschreibungen. Fängt man an, in seiner Gegenwart zu sprechen, malt er seltsame Cluster auf Papier und schreibt Worte, Sätze, Assoziationen hinein, mit Verbindungslinien, die eine geheime Seilschaft herstellen.
Sein geübter Strich über weißes Papier verweist, wie auch sein Dichtername Händl Klaus, auf den Handwerker mit eigener Handelsvertretung für geschliffene Sätze und gedrechselte Worte. Jedenfalls könnte das ein Eintrag im Register aussterbender Berufe sein. Seine Zettelsammlung, die mit den Clustern, befindet sich in einem labyrinthischen Archiv im Keller eines fremden Wohnhauses, wo er als Haushälter das Herrsein probiert, sagt man.
Legenden über Händl Klaus sind immer auch Verstellungen, hier versteckt sich jemand hinter Erzählungen, die er in Hülle und Fülle mündlich zur Verfügung stellt, bevor er dann doch plötzlich ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 161
von Matthias Günther
Ensemblesolist – das ist ein Fundstück, ein Ausdruck, mit dem schon vor Jahren ein Kritiker Ulrich Matthes beschrieben hat, und da ist was dran. Solist klingt für Theaterleute ja nicht so angenehm, eher eitel. Da will sich einer nicht fügen und ist sich selbst genug. Musiker hören das anders, und Ulrich Matthes ist sehr musikalisch. Er ist ein überzeugter...
Große Fragen liegen auf dem Tisch, Kaffeetassen stehen bereit:
Thomas Ostermeier, Jahrgang 1968, war nach dem Regiestudium an der Berliner Ernst-Busch-Schule künstlerischer Leiter der Baracke des Deutschen Theaters und leitet seit 2000 die Berliner Schaubühne
Frank-Patrick Steckel, geb. 1943, kam als Student der Kunstgeschichte zum Studententheater. Seit 1970...
In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 feierten auf Schloss Rechnitz, das unmittelbar an der österreichischen Grenze zu Ungarn liegt, SS-Offiziere, Gestapo-Führer und einheimische Getreue des Nazi-Regimes ein «Gefolgschaftsfest», auf dem getanzt und getrunken wurde und in dessen Verlauf fast zweihundert arbeitsunfähige oder geschwächte jüdische Zwangsarbeiter...
