Nürnberg: Zwei Schlüsse

Georges Feydeau «Herzliches Beileid», Philipp Löhle «Am Rand (Ein Protokoll)» (UA)

Theater heute - Logo

Sieht ein bisschen so aus, als würden jetzt gleich «Glückliche Tage» beginnen, und im nächsten Moment müsste Winnie sagen: «Wieder ein himmlischer Tag.» Die Schauspielerin Ulrike Arnold sitzt in der Mitte der Bühne des Nürnberger Schauspielhauses, leicht erhöht und eingehüllt in einen seidenen Vorhang, der sich über die gesamte Fläche ergießt und auf allen Seiten hinaufreicht bis in den Schnürboden. Edel mutet das an, nicht so schäbig karg wie bei Beckett.

Dann wird der Stoff ruckartig weggezogen – aber der Blick geht nicht in eine versengte Grasebene, sondern in ein etwas unaufgeräumtes Zimmer mit Pariser Interieur. Und die Frau steckt nicht in einem Hügel fest, sie hockt im Bett.

Also doch nicht Beckett. Dabei lag man mit der ersten Annahme gar nicht so falsch. Denn eigentlich wollte Altmeister Dieter Dorn das gal­lige Endzeit-Stück des Iren schon inszenieren, kombiniert mit Georges Feydeaus harmloser Salonfarce «Herzliches Beileid». Doch die Beckett-Erben erhoben kurzfristig Einspruch, und so gab es in Nürnberg nur den halben Abend zu sehen. Dass da etwas fehlte, ein Reibungspunkt, ein Widerspruch, ein Stachel, spürte man schnell: Nach knapp einer Stunde war der Spaß vorbei, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Der Fulltime-Job

Michael Merschmeier Sie schreiben in Ihrem autobiografischen Buch «Ich stehe zur Verfügung»: «Kuhstall war der eine Geruch meiner Kindheit, der andere war Weihrauch.»

Peter Simonischek Schreib ich das wirklich? (lacht laut)

MM Tun Sie. Kuhstall und Kirche vermitteln Geborgenheit, Gemeinschaftsgefühle. Ein gutes Ensemble kann auch eine Gesellschaft wie eine...

Verhärtete Fronten

Wer braucht sie noch, die von rassistischen weißen Männern geschriebenen Klassiker? Wie viel künstlerische Freiheit darf sich andererseits politisch korrekte Kunst erlauben? Die Frage nach der Identität ist in den USA derzeit allgegenwärtig und beherrscht auch die Theaterwelt. Eine von Anbeginn an rassistische Gesellschaft bedarf zweifelsohne der Aufarbeitung ihrer...

Figurentheater: Maschine kann warten

Wie verhält es sich eigentlich mit der Quote bei den Puppen? Nein, hier wird nicht gefragt, ob die Parität gewahrt bleibt und endlich im selben Verhältnis männliche (also der Kasper zum Beispiel) und weibliche (etwa die Gretel) künstliche Wesen auf den Bühnen der Figurentheater vorkommen. Viel interessanter ist, wie sehr schon die digitale Welt in diesem doch immer...