Newcomer: VR Dance Club
Das Publikum sitzt im Dunkeln, unsichtbar, unangreifbar, unbeteiligt – ein Modell, das sich hartnäckig hält? Vielleicht ist es genau dieses Verschwindenkönnen, das den klassischen Zuschauerraum so bequem macht. Und so überholt.
«VR Dance Club» steht nicht für Tanzen mit Brille. Das Projektensemble öffnet virtuelle Möglichkeitsräume – für Zustände, in denen sich Wahrnehmung verschiebt, Realität überlagert, Begegnung neu entsteht. Wer hineingeht, bleibt nicht außen. Wer bleibt, wird Teil.
Besuchende begegnen sich in «Hybrid Encounters» von VR Headset zu Zeichenbrett. Bewegung wird Linie, Dialog entsteht. Was reduziert wirkt, ist präzise gesetzt: ein designtes Erlebnis des Duos Anna-Carolin Weber und Tobias Kopka, das VR Dance Club gegründet hat und leitet. Sie choreografieren keine Abläufe, sondern Bedingungen. Entwickelt wurde «Hybrid Encounters» unter anderem an der Dortmunder Akademie für Theater und Digitalität. Dort geht es nie darum zu erkunden, was passiert, wenn digitale Technik auf Kunst trifft. Sondern um die Frage, wo man ankommt, wenn man künstlerische Fragestellungen auch mit digitalen Werkzeugen beantwortet. «Wie sehen wir uns, wenn wir uns nicht sehen», ist zentrale ...
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Tanz Mai 2026
Rubrik: Side step, Seite 16
von Timon Brombach
JOCASTA‘S LINE
Sophokles lieferte die Vorlage, Igor Strawinsky die Partitur, und Sir Wayne McGregor erarbeitete mit dem Norwegischen Nationalballett in Oslo eine ganz eigene Fassung der Ödipus-Tragödie: «Jocasta‘s Line», vergangenen Herbst uraufgeführt (tanz 12/25), besticht als Gesamtkunstwerk. Geboren aus dem Geist kollektiver Kraftanstrengung, treten hier...
Dem Format der Pitchings haftet etwas von Trostpreis an: Die künstlerischen Arbeiten bzw. Methoden gelten als interessant, reichen aber nicht für einen abendfüllenden Slot im Showcase. Und doch sind sie für Kurator*innen eigentlich echte Fundorte: weniger fertige Produkte als ein Denken in Bewegung – bei gleichzeitiger Nähe zu den Künstler*innen.
Sichtbarkeit und...
Omelas ist das Paradies. Immer gutes Wetter, immer schöne Musik, überall schicke Häuser. Vor allem aber: keine Arbeitsmühen. Zu beschwingten Klängen tanzen die Bewohner*innen durch die Zukunftsstadt, ein Leben in Harmonie und Unaufgeregtheit. Das freilich seinen Preis hat: Einer muss aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden, damit die anderen ihre Ruhe haben....
