Erlösung
Omelas ist das Paradies. Immer gutes Wetter, immer schöne Musik, überall schicke Häuser. Vor allem aber: keine Arbeitsmühen. Zu beschwingten Klängen tanzen die Bewohner*innen durch die Zukunftsstadt, ein Leben in Harmonie und Unaufgeregtheit. Das freilich seinen Preis hat: Einer muss aus der Gemeinschaft ausgestoßen werden, damit die anderen ihre Ruhe haben. Niemand darf mit ihm kommunizieren, niemand darf Kontakt halten, sonst löst sich die Ordnung auf, und die schicken Einfamilienhäuser brechen zusammen. Heißt es.
Walzernde Harmonie
Stina Quagebeur hat für den dreiteiligen Abend «OrgelPassion» Ursula K. Le Guins 1973 erschienene Kurzgeschichte «The Ones Who Walk Away from Omelas» choreografisch adaptiert. Und zwar als traditionelles Handlungsballett mit abstrakten Anteilen: Einen Gutteil des Stücks nimmt der spielerische Alltag im dystopischen Omelas ein, als ununterbrochener Karneval, bei dem die Einwohner*innen in grellbunten Kostümen (Louise Flanagan) durch die mal nachtromantischen, mal sonnendurchfluteten Gassen wirbeln. Tänzerisch zeigt Quagebeur das als walzernde Harmonie, die immer nur kurz gestört wird, wenn der Ausgestoßene (João Miranda) versucht, sich in den Tanz ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Mai 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Falk Schreiber
Ihr Name steht in großen Lettern auf dem schwarzen Vorhang, der sich sogleich zu Meeresrauschen und Möwengeschrei öffnet. Um die komplexe Figur der mythologischen Medea, deren Racheakt im Kindsmord gipfelt, geht es allerdings kaum in den folgenden eineinhalb Stunden. Vielmehr wird sie zu einer Projektionsfläche, um auszuloten, was es bedeutet, als Fremde in ein...
Plauens schmuckes, 1898 eingeweihtes Vogtlandtheater mit seinem säulenbewehrten Portikus und aufwallende Emotionen von heute sind kein Widerspruch: Gefühle existieren zu jeder Zeit, nur ihre choreografische Formung unterscheidet sich. Für diese Formgebung an der 2000 mit Zwickau fusionierten Bühne steht seit 2022 der gebürtige Moskauer Sergei Vanaev, den es nach...
Die Situation ist kurios: Links auf dem Screen erkennt man einen zuckenden Kassenbon, eine flatternde Folie. Und rechts liegt ein Tänzer, krümmt den Rücken, streckt Arme und Beine in seltsame Winkel, um die flatternde Choreografie des Objekts nachzuahmen. Die auf den ersten Blick simple Idee birgt eine vielschichtige Reflexion über Bewegung und Körper, über...
