Mit dem Unterleib gedacht
Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch immer aufs Gleiche raus, er denkt an die Vulva der Geliebten (Saskia Taeger). Woran er nie denkt: an Politik, an Arbeit, an Wirtschaft. Die personifizierte Ambitionslosigkeit.
«Männer Frauen Arbeit» heißt die Auftragsarbeit von Oliver Kluck für das Hamburger Schauspielhaus, das klingt wie «Vater Mutter Kind», und im Grunde trifft diese private Perspektive aufs Wirtschaftsleben den Kern des Stücks. Es geht um die Krise eines ökonomischen Systems, aber diese Krise ist eine Beziehungskrise, und in dem Moment, in dem das System kollabiert, ist es Zeit für eine Familientherapie. Kluck, 1980 an der vorpommerschen Ostseeküste geboren, sieht die DDR zusammenbrechen wie eine Familie, die sich auseinandergelebt hat, aber bevor jemand hier an Politik denkt, denkt er zunächst an Unterleiber. Anders ausgedrückt: Dass der Begriff der ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 58
von Falk Schreiber
Bora Bora, gleich bei Tahiti, war seine Lieblingsinsel, Bombays Bordellviertel faszinierte ihn – dieser rot-gold-glosende Rausch aus Gerüchen, Lüsten und Farborgien; er tauchte weit hinab in den Prunk der Tiefsee (unter Larven die einzig fühlende Brust) und stiefelte rauf zum Himalaja: «Schon als junger Mann wollte ich den Nanga Parbat sehen – es ist mir gelungen!»
...Mut ist ein großes Wort. Aber wenn einer fragt, wovon denn der Teamgeist des neuen Schauspiels am Theater Basel bestimmt sein könnte, dann hätten wir wenige Monate nach dem Saisonstart des Leitungstrios Martin Wigger, Tomas Schweigen und Simon Solberg eine erste Antwort: Sie wagen was, sie zaudern nicht. Sie gehen aufs Ganze. Und aufs Ganze gehen, heißt auch, das...
Wir brauchen Schauspieler, die auf dem Scheiterhaufen brennen wollen und über die Flammen lachen. Antonin Artaud
Woran erkennt man einen großen Künstler, einen großen Schauspieler?
Ein großer Schauspieler gibt und nimmt. Er teilt sich selber mit dem Publikum. Dieses Teilen ist keine Option, es ist eine Notwendigkeit. Der Schauspieler öffnet sich, seinen Körper,...
