Mehr Spielraum für Spielregeln
Nicht rennen und unter keinen Umständen laut sein! Im Münchener Haus der Kunst wird man schon angeraunzt, bevor das erste Werk zu sehen ist. Bisschen viel prophylaktische Disziplinierung für eine Ausstellung mit dem Titel «For Children». «This is Germany», murmelt jemand.
Drinnen gibt es dennoch jede Menge Kids, wirklich tolle Kunstwerke – und mindestens fünfzehn verschiedene Arten von Verbotsund Hinweisschildern sowie genervtes Personal: Bausteine nur in der Mitte des Raumen verwenden, Gänge frei lassen und die Bälle im dafür vorgesehenen Rahmen, hier Ruhe bitte und dort nur krabbeln … Abgesehen davon, dass in dieser (eigentlich sehr guten) Ausstellung vielleicht andere kuratorische Lösungen des Policing und eine bessere Einführung der überforderten Vigilant:innen sinnvoll gewesen wären: Es ist ja tatsächlich gar nicht so einfach mit der Freiheit der Kunst vs. der Freiheit des Publikums. Wie lässt sich das Werk vor den Zuschauer:innen schützen, wenn alles immer partizipativer wird und viele mehr wollen als nur Betrachten?
Das Paradox der Teilhabe findet sich auch im sogenannten Mitmachtheater, das allzuoft den permanenten Zwang zur Partizipation im All-inclusive-Kapitalismus und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Florian Malzacher
Fake News sind gefährlich, das hat sich herumgesprochen und ihrer zersetzenden Kraft keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Vielleicht liegt die größte Infamie ja gerade darin, dass wer ihnen nachgeht, sich selbst aufs Terrain der Verschwörungstheorien begeben muss, wo man sich nur allzu leicht verirrt. Łukasz Ławicki hat davor augenscheinlich keine Angst. Seine...
Am Ende sitzt Oskars Großmutter mit ihren vier Röcken, unter denen sich auch mal ein Verfolgter verstecken kann, wieder am Kartoffelfeuer und hält eine Knolle in die Glut. Wie schon in der Einstiegsszene – der Regisseur Armin Petras gibt seiner Bühnenbearbeitung von Günter Grass’ «Blechtrommel» einen zyklischen Schluss. Politische Geschichte wiederholt sich?...
Theater heute Herr Milstein, wie sind Sie für Ihr Stück an den Münchner Kammerspielen auf den Fall Auerbach gekommen? Der Auschwitz-Überlebende war erster bayerischer Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte von 1946 bis 1952 in München und beging nach einem – wie sich später herausstellte – Justizskandal Selbstmord. Philipp Auerbachs Leben...
