Mehr Spielraum für Spielregeln
Nicht rennen und unter keinen Umständen laut sein! Im Münchener Haus der Kunst wird man schon angeraunzt, bevor das erste Werk zu sehen ist. Bisschen viel prophylaktische Disziplinierung für eine Ausstellung mit dem Titel «For Children». «This is Germany», murmelt jemand.
Drinnen gibt es dennoch jede Menge Kids, wirklich tolle Kunstwerke – und mindestens fünfzehn verschiedene Arten von Verbotsund Hinweisschildern sowie genervtes Personal: Bausteine nur in der Mitte des Raumen verwenden, Gänge frei lassen und die Bälle im dafür vorgesehenen Rahmen, hier Ruhe bitte und dort nur krabbeln … Abgesehen davon, dass in dieser (eigentlich sehr guten) Ausstellung vielleicht andere kuratorische Lösungen des Policing und eine bessere Einführung der überforderten Vigilant:innen sinnvoll gewesen wären: Es ist ja tatsächlich gar nicht so einfach mit der Freiheit der Kunst vs. der Freiheit des Publikums. Wie lässt sich das Werk vor den Zuschauer:innen schützen, wenn alles immer partizipativer wird und viele mehr wollen als nur Betrachten?
Das Paradox der Teilhabe findet sich auch im sogenannten Mitmachtheater, das allzuoft den permanenten Zwang zur Partizipation im All-inclusive-Kapitalismus und ...
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Theater heute Februar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Florian Malzacher
Ein junger Mann steht vorne vor der Rampe des Weimarer Nationaltheaters, läuft an ihr entlang, wirft einen prüfenden Blick in den Zuschauerraum, als müsse er sich vergewissern, dass sich das Unterfangen lohnt. Ein Blick auf den neuen Ort, wo jetzt das Wesentliche, das Theater passieren soll. Der Startsequenz von Thomas Manns «Felix Krull» wohnt viel Anfang inne....
Drei Schauspieler und eine Schauspielerin stürmen brüllend die Bühne, gekleidet in riesige gelbe Reclamhefte; auf jedem bibeldicken Umschlag steht «Friedrich Schiller: Die Räuber». Bewaffnet mit Golf- oder Baseballschlägern dreschen sie zu den rasenden Beats von Rednex’ «Cotton Eye Joe» auf alles ein, was Elisabeth Weiß auf der hell ausgeleuchteten Bühne des...
Andis Späti mit dem klingenden Namen «Paradies» steht kurz vor seinem Endi. Denn seine Ex Marleen, die sich als erfolgreiche Ärztin aus dem tiefen Osten in den gelobten Westen abgesetzt hat – unter schnöder Zurücklassung ihres Partners –, hat das ererbte Haus verkauft, in dem Andi sich mit seinem kleinen Kiosk eingenistet hat. Wobei der Mini-Einzelhandel mit dem...
