«Moving Mountains» von Marble Crowd, Foto: Thies Rätzke
Marble Crowd
Das Kollektiv ist tot. Es lebe das Kollektiv! Fünf Künstler und Künstlerinnen aus Island treten den Beweis an. Im Rahmen des Festivals «Togetherapart» zum 10-jährigen Jubiläum des Zentrums für Choreographie K3 in Hamburg waren sie eingeladen, ein Stück zu kreieren. «Moving Mountains in Three Essays» betitelten Sigurður Arent, Kristinn Guðmundsson, Katrín Gunnarsdóttir, Vedis Kjarnarsdóttir, Saga Sigurdardóttir diesen, ihren allerersten Kollaborationsversuch. Berge versetzen, das hatten sie sich vorgenommen.
«Eine Ungeheuerlichkeit», wie sogar die Künstler angesichts der selbstgestellten Aufgabe befanden. Ihre künstlerischen Ansätze aus Tanz, Performance und bildender Kunst sind unterschiedlich, sprechen verschiedene Sprachen.
Doch besteht ihre Kunst darin, die Unterschiede eben nicht einzuebnen, sondern ihre Verständigung darüber sichtbar zu machen, während sie sich mittels Seilen hangeln, aneinanderketten, verknoten und wieder lösen und Kampnagels größte Bühne scheinbar in eine kaum zu bezwingende Berglandschaft verwandeln. Die Gipfelerklimmung: eine Situation, in der man auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen ist. Ein Fuß sucht nach festem Untergrund, eine Hand greift nach einer anderen, ein aufmunterndes Zunicken – und weiter geht’s. Behutsam Schritt für Schritt. Jeder Schritt, jeder Griff verlangt nach neuer Verhandlung, ist eine anschauliche Übung in sozialer Improvisation, die eine kollektive Handlung erst glaubwürdig macht.
Aus Seilen und Planen entsteht ein Kunstobjekt – perfekte Kulisse für den Gipfelschnaps. Seil schwingend und springend endet die Expedition. Spektakuläre Kunststückchen, die auch mal scheitern dürfen, machen das Glück beim Publikum perfekt. Berge zu versetzen, muss kein utopischer Gedanke bleiben, wie Marble Crowd dank genial vereinfachter kollektiver Arbeitsweise zeigt.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 180
von Irmela Kästner
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr aus der Hüfte und ist...
Dass man für bizarre Komik ebenso viele komplexe Fähigkeiten benötigt wie für dramatische Rollen, hat der Athener Euripides Laskaridis unlängst in Lyon demonstriert. Dort hat er eine Eigenkreation, das Solo «Relic», getanzt, eine Arbeit, die sich stilistisch jeder eindeutigen Zuordnung, Machart oder Mode entzieht und das Publikum gleich einer turbulenten Achterbahnfahrt in Atem hielt....
Ein komisches Gefühl, sich mittels VR-Brille und Headphones von der realen Welt abzuschotten, um ein Ballett anschauen zu können. Hat man das seltsame Equipment aber erst einmal angelegt und den Film gestartet, wird man augenblicklich in eine faszinierende, dreidimensionale Welt aus Bewegung, Bild und Klang hineingezogen. Man kann auf seinem Drehstuhl eine 360°-Drehung vollführen und in...
