Mamela Nyamza «Hatched Ensemble»

Düsseldorf on tour

Tanz - Logo

Das Stück fängt an, fängt an, fängt an mit einem langsamen Hineinschieben, -treiben, Einnehmen des Bühnenraumes. Der Pulk der Tänzerinnen ist ein Etwas, nah am Boden, wie ein Gewächs. Rücken werden freigelegt, die Röcke sind im Kontrast zur Hautfarbe hell und buschig und gespickt mit Wäscheklammerstacheln, welche leise gegeneinander klappern. Die sitzenden, manchmal aus der Gruppe herauswachsenden Tänzerinnen schauen wie wache Träumerinnen dorthin, wo das Publikum nicht hinkommt.

Das Musikstück wiederholt sich, «Der Schwan» aus Camille Saint-Saëns’ «Karneval der Tiere», und im Geiste ballettkundiger Zuschauer im tanzhaus nrw in Düsseldorf stirbt jetzt ein Schwan und noch einer und noch einer in Form einer Ballerina, einer weißen wahrscheinlich. Historie.

Die zehn Ballerinen in Mamela Nyamzas «Hatched Ensemble» sind noch mit dem Leben beschäftigt. Sie lassen Figuren aus Draht vor und über sich schweben. Huhn, Busch, Blume, Vögelchen, ein Auto. Ein aufragender Spitzenschuh gesellt sich in den friedlichen Hof. Wenn die Frauen schließlich auf diesen Dingern stehen, klappern ihre Trippelschritte zuweilen wie die Wäscheklammern, deren Klemmigkeit gestreckten Ballerinnenbeinen nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2024
Rubrik: Kalender, Seite 34
von Melanie Suchy

Weitere Beiträge
Christos Papadopoulos/Ballet de l’Opéra de Lyon «Mycelium»

Die Natur spielt entscheidend mit, wenn Choreograf Christos Papadopoulos per Schwarmintelligenz zum Augentest lädt. In seiner Kindheit war der neue Tanzstar aus Athen fasziniert von Meereswellen, Vogelschwärmen, Fischbänken und anderen Unisoni aus freier Wildbahn. Seinen genuinen Platz in der Tanzlandschaft erarbeitete er sich mit einem lebendigen Minimalismus, der...

Alessandro Sciarroni «Dream»

Im Skulpturensaal des Brüsseler Kulturzentrums Bozar steht ein Wohnzimmerklavier. Sieben Performer*innen haben sich unbemerkt unter das Publikum gemischt, erkennbar nur durch ihre etwas merkwürdige Bekleidung, die ihnen das Aussehen von «cadavres exquis», jenen «köstlichen Leichen» des Surrealismus, verleiht. Zunächst herrscht diffus-kühles Tageslicht (Lichtregie:...

Buch, CD, DVD 8/24

CD des Monats
LÄNDLER
Unvorstellbar: Fast 450 Tänze hat Franz Schubert in den wenigen Jahren komponiert, die ihm geblieben sind, die meisten davon in aphoristischer Kürze. Gedankenblitze, gleichwohl in aller Genauigkeit notiert, «Moments musicaux», von denen man sich manchmal wünschte, sie würden ewig dauern. Pierre-Laurent Aimard, sonst eher bekannt als Interpret...