Lost in Salvation
Die Welt ist eine Vinylscheibe. Eigentlich längst am Ende, aber vielleicht geht ja noch was. Wie in «Das Leben des Vernon Subutex», Virginie Despentes’ fulminanter Roman-Trilogie über Absturz und Auferstehung eines Pleite gegangenen Schallplattenhändlers, der zum DJ-Gott für eine verkrachte Generation um die 50 wird, die den harten Aufschlag ihrer Träume in der neoliberalen Wirklichkeit nicht gut verkraftet hat.
Nach der Dauerdepression der letzten Jahre, den Abstiegsängsten und Endzeitszenarien, schrumpfenden Perspektiven und implodierenden Ideologien scheinen alle zusammen wild entschlossen, sich noch einmal verführen zu lassen, ausgerechnet von einem, der nichts weniger vorhat als das und dem seine Guru-Werdung genauso beiläufig passiert wie der Rausschmiss aus seiner Wohnung und der Verlust seiner bürgerlichen Existenz.
Subutex heißt auch ein Schmerzmedikament auf Opiumbasis, das ähnliche Wirkung erzeugt. So hat Despentes’ Antiheld auf die Menschen in seinem Umfeld die Wirkung einer ominösen Ersatzdroge, allein durch seine Fähigkeit, Rock und Pop aus den 70ern bis 90ern in so genialer Disparatheit aufzulegen und in geheimen Raves, «Convergences» genannt, ganz ohne Drogen und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Silvia Stammen
Am Anfang ist scheinbar noch alles in Ordnung: ein detailgetreu nachgebautes Zimmer einer Arbeiterwohnung im New York der 50er Jahre. Damals gab es in den USA schon, was uns heute umtreibt: illegale Einwanderung. Und am Ende hat dieses Problem die ganze falsche Ordnung aufgelöst. Von der tristen Ordnung zum schönen Chaos, von Realismus zu abstrakter Symbolik, das...
Bei den letzten Salzburger Festspielen sprang Philipp Hochmair kurzfristig als Jedermann für den erkrankten Tobias Moretti ein und begeisterte die Zuschauer auf dem Domplatz. Seine Art, den jovial-arroganten, am Ende tief einsamen reichen Mann im Sterben zu geben, gefiel – und doch wusste man: Da war mehr als dieser Mainstream.
Diese Figur war Hochmair, der sie...
Die Tür im Eisernen Vorhang knallt, Niels Bormann kommt auf die Gorki-Bühne und sagt zur Begrüßung: «Entschuldigung». Haha, er ist wieder da: Vor zehn Jahren erfand sich der 45-jährige Schauspieler in der ersten israelisch-deutschen Koproduktion der Theatermacherin Yael Ronen als ultradeutscher, beflissen-klemmiger Wiedergutmachungsstreber, der zwar unter seinem...
