Liebe ist mehr als ein Gefühl
Mangelnden Einsatz kann man Milo Rau nicht vorwerfen.
Auch in seinem zweiten Jahr als Intendant der Wiener Festwochen war der Schweizer Regisseur omnipräsent. Er brachte zwei Inszenierungen und eine Leseaufführung zur Premiere und war auch an einer Diskursreihe federführend beteiligt. Damit nicht genug: Rau versteht es wie kein Intendant vor ihm, die Festwochen selbst als große Inszenierung zu behandeln.
Bei Milo Rau ist schon die Spielplan-Pressekonferenz die erste Inszenierung.
Diesmal fand sie im Funkhaus in der Argentinierstraße statt, das nach dem Auszug des ORF vor ein paar Jahren weitgehend leer steht und derzeit künstlerisch zwischengenutzt wird. Die Festwochen richteten dort ihr Festivalzentrum ein, in dem Diskussionen, Workshops oder Premierenpartys stattfanden. Davor aber mussten die bösen Geister vertrieben werden; immerhin stammt das Funkhaus aus den 1930er Jahren, war Architekt Clemens Holz -meister ein wichtiger Funktionär im austrofaschistischen Ständestaat. Bei der Pressekonferenz stand deshalb eine Schamanin vor dem Haus und sorgte mit rituellen Handlungen für gute Vibes. Milo Rau trug einen Flower-Power-Blumenkranz im Haar, denn die Festwochen haben sich für 2025 ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Wolfgang Kralicek
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