Lebenslänglich unfrei
Am Ende von Peter Handkes biografischem Porträt seiner Mutter, die 1971 Selbstmord beging, fliegt der Ich-Erzähler, der gerade die Todesnachricht erhalten hat, zurück nach Österreich. «Beim Zeitungslesen, Biertrinken, Aus-dem-Fenster-Schauen verging ich allmählich in einem müden, unpersönlichen Wohlgefühl», heißt es in «Wunschloses Unglück». «Ja, dachte ich immer wieder und sprach im Stillen die Gedanken jeweils sorgfältig nach: DAS WAR ES. DAS WAR ES. DAS WAR ES. SEHR GUT. SEHR GUT. SEHR GUT.
»
Handkes Mutter Maria, erzählt der Autor knapp und eindringlich auf den davor liegenden Seiten, war kein erfülltes Leben beschieden. Als Tischlerstochter mit vier Geschwistern, aufgewachsen im ländlichen Kärnten, waren ihre Möglichkeiten beschränkt, oder, wie es der Sohn rückblickend formuliert: «Als Frau in diese Umstände geboren zu werden, ist von vornherein schon tödlich gewesen.» Gegen den
Willen des Vaters absolviert sie eine Lehre als Köchin, lässt sich vom Nationalsozialismus begeistern, verliebt sich in einen verheirateten Parteigenossen, von dem sie ein Kind erwartet – den kleinen Peter. Noch vor der Geburt heiratet sie einen anderen, immer ungeliebten, mit dem sie zwei weitere ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
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