Kor’sia «Mont Ventoux»

Tanz - Logo

Im Osten des französischen Département Vaucluse, in der Provence, liegt der Mont Ventoux. Ein Gigant, kalkig, karstig und windig. So stecken in «Ventoux» die provenzalischitalienischen Wurzeln von «le vent»: der Wind. 1910 Meter hoch ist dieser Gipfel und dazu ein Mythos, zumindest in Frankreich, vor allem seit es die Résistance an dem strategisch wichtigen Ort direkt mit Mussolinis und Hitlers Armeen zu tun bekam.

Nun sind die Choreografen von Kor’sia, Mattia Russo und Antonio de Rosa, Italiener und arbeiten in Madrid.

Wenn sie ihr neues Stück dem «Giganten der Provence» widmen, dann auch deshalb, weil dieser seit Langem für humanistische Werte steht, und zwar seit Francesco Petrarca in seinem 1350 erschienen Bericht «Besteigung des Mont Ventoux» als spirituelle Erfahrung und literarisches Werk einen Eckpfeiler der Renaissance schuf. Russo und de Rosa nehmen diese Fäden wieder auf, zeigen den Menschen im Kampf mit Naturgewalten, mit sich selbst, mit seinem heutigen Umfeld. Das kann wehtun, kann aggressiv sein oder auch sinnlich. Es kann über eine mittelalterliche Rüstung, derer man sich entledigt, führen, bis zu einer Art Erotik der Verzweiflung, bis in die Animalität und zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2024
Rubrik: Tanz im August, Seite 25
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Amala Dianor «Dub»

Awir Leon sendet erste, minimalistische Signale vom DJ-Pult: Fragmentierte Beats, zurückhaltende Drones ziehen durch den Raum, den wir im Video einer Aufführung aus dem MC2 Grenoble entdecken. Und mit Sangram Mukhopadhyay betritt der erste Tänzer die Bühne, durch einen mittels Neonleuchten angedeuteten Flur. Man befindet sich in einer Clubsituation, und...

Toula Limnaios «La Nef des Fols»

 

Die Choreografin Toula Limnaios und der Komponist Ralf R. Ollertz sind ein Match: Die Kompanie, die sie gemeinsam in Berlin aufgebaut haben, zählt zu den ganz wenigen, die mit einer eigenen Spielstätte aufwarten können. Die «Halle», ehemals sportlich bespielt und in unmittelbarer Nähe des einstigen Mauerverlaufs gelegen, ist an sich schon einen Vorstellungsbesuch...

Soa Ratsifandrihana «Fampitaha, fampita, fampitàna»

Bei diesem Titel könnte man auf den ersten Blick an eine liebliche Südseemelodie denken. In Wirklichkeit handelt es sich bei «Fampitaha, fampita, fampitàna» um einen Zungenbrecher, der in Malagasy, der Amtssprache Madagaskars, die Begriffe «Vergleich», «Weitergabe» und «Wettstreit» bezeichnet. Mit ihnen will Soa Ratsifandrihana ihre Erfahrungen zum Ausdruck bringen...