Kaufrauschen und Kaltfeuerwerk
Ein Geburtstagsgeschenk der besonderen Art zum 100. Jubiläum der Münchner Kammerspiele hat sich Intendant Johan Simons von Elfriede Jelinek gewünscht: ein Stück über Mode und die Maximilianstraße. Und weil Jelinek das Schreiben nach eigener Aussage ja als eine Art Dauerüberlebensprogramm betreibt und dafür ohnehin ständig neuen Stoff braucht, lässt sie sich unter Freunden auch schon mal auf eine Bestellung ein. Dass dabei keine so scharf und schmerzhaft durchkomponierte Selbstabrechnung wie die 2011 ebenfalls von Simons urinszenierte «Winterreise» zu erwarten war, versteht sich.
Stattdessen haben wir es im Fall von «Die Straße. Die Stadt. Der Überfall» mit einer Art bissigen Modegag im Jelinekschen Standardformat von circa hundert absatzlosen Seiten zu tun, eine saloppe Analyse eigenen und fremden Kleiderkaufverhaltens, garniert mit einschlägigem Münchner Schicki-Micki-Klatsch. Dass dem Manuskript auf ausdrücklichen Wunsch der Autorin zunächst eine reine Bühnenpräsenz und keinerlei Weiterverbreitung in gedruckter Form oder als Nachspiel beschieden sein sollte, erschien da ganz folgerichtig. Mittlerweile hat der Text allerdings doch seinen Weg auf die Jelineksche Homepage gefunden. ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
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