Karlsruhe: Verschweigen oder vergessen?
Am Anfang kann sich die über-70-jährige Mutter auch noch an obskure Jugendlektüre erinnern: «Wolter von Plettenberg». «Das weißt du noch?», fragt ihre 40-jährige Tochter. «Das war doch auch Thema meiner Dissertation», antwortet die Mutter. Am Ende erkennt sie nicht einmal mehr die Tochter. Demenz als Theaterthema – das war wohl überfällig, zumal an einem Haus wie dem Badischen Staatstheater, das sich am ETC-Projekt «The Art of Ageing» beteiligt.
Der Journalist Jörn Klare, der anlässlich der Demenz seiner Mutter das Sachbuch «Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand» geschrieben hat, stellt sich mit seinem ersten Theaterstück dieser Herausforderung.
Sein Zwei-Personen-Stück ist zugleich mehr und weniger als ein Demenz-Drama. Weniger,
indem der Krankheitsverlauf nicht die eigentliche Story ist – am ehesten zeigt er sich in dem Spiel, in dem die Mutter Sprichworte vollenden soll, deren Anfang die Tochter ihr vorliest (worauf sich auch der Titel bezieht). Und mehr, indem es sich um Identität dreht: Wenn Identität durch Erinnerungen entsteht, was bleibt dann nach deren Verlust, zumal bei einem Geistesmenschen wie der Mutter? Auch die Tochter ringt um ihre Identität: Bislang hat ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Andreas Jüttner
«Zwei Uhr nachts» geht der Karriere-Streber X «noch einmal die Listen für den nächsten Tag durch». Sein Kollege Y «kloppt» unterdessen seinen «Hass auf die Welt in die Kommentarspalten von Süddeutsche, Spiegel online und Tagesschau.de». Und der aus dem Schlaf hochschreckenden Business-Frau Z dämmert plötzlich, dass es so «einfach nicht mehr weiter» geht.
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Annaberg,...
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