Jenseits der Silver Age
Auf dem Hamburger Kampnagel-Gelände steht ein riesiger Sperrholzkasten: «Machina Recordatio», ein stilisierter Schalltrichter, aus dem brüchige Stimmen dringen. Unzählige Interviews sind das, mit alten Menschen aus Dresden, Berlin und Hamburg, und in der «Erinnerungsmaschine» lassen sie sich abrufen, geordnet nach Stichworten von «Abbauen» über «Frauengruppe» bis «Zwischenmenschliches».
Das ist meist warmherzig, stellenweise witzig, manchmal unspektakulär, vor allem aber ist es ein kluger Einstieg in den Kampnagel-Themenschwerpunkt «Old School – Von Alten lernen», der ein verlängertes Pfingstwochenende lang mit Theater, Installationen und einem Symposium die Beziehungen zwischen Alter und Bühne erkundet.
Dass Alter, Krankheit, Verfall und Tod Themen sind für die freie Theaterszene, ist spätestens seit dem Theatertreffen-geadelten «Testament» von She She Pop bekannt. Aber auch Kampnagel kann sich nicht ganz um die Fallstricke drücken, die die Arbeit mit Alter so mit sich bringt. Anja Paehlke von der Hamburger Körber Stiftung etwa führt in ihrem Vortrag über «Altersbilder» aus, dass in der öffentlichen Wahrnehmung gerade mal drei Images für Alter existieren: der gesichtslose, ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Magazin: Demografie, Seite 68
von Falk Schreiber
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Liebe Beatrice Ask,
es gibt vieles, was uns unterscheidet. Du bist Mitte der fünfziger Jahre geboren und ich gegen Ende der siebziger Jahre. Du bist eine Frau, ich bin ein Mann. Du bist Politikerin und ich Schriftsteller. Aber es gibt manches, was uns verbindet. Wir haben beide internationale Wirtschaftswissenschaften studiert (ohne Abschluss), wir haben ungefähr...
Ich erinnere mich: 1995, im Sommer, nach zwölfjähriger Abwesenheit, war ich heimgekehrt in meine Stadt, die nun wieder eine ganze war, und eben verhüllten Christo und Jeanne-Claude den Reichstag. Ja, wirklich! Ausgezogen aus der Stadt zum ersten Mal war ich im Totalen Krieg. 1943 nach Franken, wo es Nazis gab wie Sand am Meer. Als Einzelkind. Meine Mutter hatte es...
