Hier gedeiht nichts mehr
«Tsunami» war das Schlagwort zur Beschreibung der Finanzkrise. Es sollte glauben machen, dass uns die Katastrophe wie eine Naturgewalt überrollt habe, unkontrollierbar, unabsehbar. Inzwischen weiß man, dass es so nicht war – und macht trotzdem fröhlich weiter: Meister der Verdrängung, hochgradig ignorant und fatalistisch. In dieser Hinsicht sind Karin Henkels Kirschgarten-Bewohner am Schauspiel Köln das Personal der Stunde.
Henkel appelliert nicht mit poetisch melancholischen Bildern des Untergangs an das Mitleid des Zuschauers, sondern bringt die Komödie mit Slapstick, Zeitraffer und einem ausgezeichneten Ensemble zum bösen Funkeln. Erwartungen an einen Kölner «Kirschgarten», der sich auf die kommunalpolitische Spardiskussion um das Schauspiel bezieht, erfüllt Henkel damit nicht. Politisch wird es trotzdem.
Braune Erde bedeckt den Boden des mächtigen, düsteren Raums, nur ein kleines, zir-
kusartiges Podest dreht sich langsam in seiner Mitte (Bühne: Kathrin Frosch). Hier gedeiht nichts mehr. «Mit dem Gut ist es längst aus», wird Trofimow später sagen. Doch die Feiertruppe, die jubelnd in diese Manege prescht, sieht das Offensichtliche nicht. Hauptsache gute Laune!, scheint ihr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Nathalie Bloch
Das Los des Analytikers ist es zuzuhören. Tag für Tag, Stunde um Stunde, nicht selten die immer gleichen Geschichten. Da kann einem schon mal der Kragen platzen und ein Monolog aus einem herausbrechen wie nach langen Schweigejahren in der Klosterzelle. So denkt man bei der Lektüre von Oliver Bukowskis Psychotherapeuten-Monolog «Der Heiler». Wobei: Was aus Professor...
Kinderlosigkeit führt heute zu allem Möglichen, zu weiblichen Karriereplänen, demographischen Debatten, künstlichen Befruchtungen, Leihmüttern, aber nicht zu Mord. Hauptmanns «Ratten» aktualisieren zu wollen, wäre absurd. Zur Gegenwart aber gehört die selbstreferentielle Struktur dieses Dramas: wie es sich auf sich selbst beziehen muss, wenn es über die...
Der 20. Todestag des polnischen Regisseurs, Malers und Theoretikers Tadeusz Kantor am 8. Dezember 2010 wurde wie in allen Jahren davor begangen: In der ulica Kanonicza 5, vor dem Kantor-Archiv, schulterte der Schauspieler Jan Ksiazek einen riesengroßen Rucksack und trug zwei Koffer, die er in der Aufführung von Witkacys «Wasserhuhn» (1967) getragen hatte. Auf...
