Happy End, forever adieu
Titelgebende Tiere sind in beiden Stücken, bei Ibsen ist es eine Wildente, bei Grillparzer das gehörnte goldene Fell eines Widders, geopfert wird bei beiden, geliebt, geschlachtet. In einem Stück sind die Menschen so irrsinnig dicht in ihren Lebenslügen verstrickt, dass der Ausweg nur noch in einem Zerschneiden des Knotens, im Tod, liegen kann, im andern sind es die Prophezeiungen und Flüche der Götter, die das menschliche Handeln eigentlich immer schon bestimmten und die keinen Ausweg lassen, wenn es darum geht, sich so richtig tief in die Tragödie zu reiten.
Und natürlich sind in beiden Fällen Frauen, die zu sehr lieben, die Hauptverantwortlichen für das Leid des kleinen Bürgers einerseits und großer Helden, ja ganzer Länder andererseits. Ein Leid, das aber niemals zustande gekommen wäre, wenn die Kerle der Frauen nicht so fanatisch auf Ehre oder Macht fixiert gewesen wären. Auf jeden Fall sind die Menschen wie immer die dümmsten aller Geschöpfe, und deshalb heißt es: Happy End, forever adieu.
«Wildente», ein schneller Witz
Nun gibt sich Stephan Müller tüchtig Mühe, aus Ibsens «Wildente» möglichst viele komödiantische Momente herauszuarbeiten und feiert die norwegische Pointe ...
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Der Nitsch ist ja der bekannteste Maler Österreichs. Aber das ist ein ganz normaler und angenehmer Mensch, sehr gescheit, gebildet und gemütlich. Sehr gemütlich!» Der ältere Herr, der dies seinen deutschen Nebenstehern voller Bürgerstolz zu Protokoll gibt, ist zwar nicht unbedingt in Orgienstimmung, aber doch sichtlich in Festtagslaune und wild entschlossen, sich...
Am Ende steht Teiresias im schwarzen Anzug etwas verloren am hinteren Bühnenrand und guckt auf das Etikett der Rotweinflasche in seiner Hand. Welcher Jahrgang ist das bloß? Pentheus ist zerrissen, Mutter Agaue und Papa Kadmos ins Barbaren-Exil vertrieben, das schöne Theben zerstört, und Dionysos hat den aufgeklärten Hellenen mal wieder gezeigt, wo der Hammer hängt....
