Große alte Männer

Die deutsche Hauptstadt setzt wieder Maßstäbe – Berlin bleibt Berlin, Wowereit bleibt Wowereit und Peymann Peymann

Theater heute - Logo

Wie humorlos. Eine «Machtdemonstration der ganz zynischen Art» sieht die gutbürgerliche «Neue Zürcher Zeitung» in Klaus Wowereits hartnäckigem Festhalten am Berliner Bürgermeisterstuhl, obwohl er doch als Aufsichtsratschef der Berliner Flughafengesellschaft die Verantwortung für milliardenschwere Fehlplanungen trägt. Gar «Schlawinerhaftigkeit, Selbstüberschätzung und Gleichgültigkeit gegenüber Fakten» wollen die soliden Schweizer Leistungsethiker beobachtet haben.

Wie ungerecht.

Seit wann treten Berliner Lokalpolitiker aus Verantwortungsgefühl zurück? Die deutsche Hauptstadt hat sich – Lob des Föderalismus – seit der Wende hartnäckig einen erfrischenden Hauch Provinzialismus erhalten. Und wer sich wie Wowereit seit über zehn Jahren aufopferungsvoll durch Parteigremien gesessen, Empfänge gesäuselt und Wahlkämpfe charmiert hat, hat doch etwas Bestandsschutz verdient. Schlimm genug, dass er nun durch seine Airport-Pannen ein «politischer Zombie» (ebenfalls «NZZ») geworden ist, dessen Zukunftsperspektiven gegen Null tendieren. Womit soll Wowereit denn seine Tage zubringen, wenn er nicht mehr bürgermeistern darf?

Ein bisschen mehr Mitgefühl haben ausgediente ältere Herren schon ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2013
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Play Strindberg, kill Schiller

Mut ist ein großes Wort. Aber wenn einer fragt, wovon denn der Teamgeist des neuen Schauspiels am Theater Basel bestimmt sein könnte, dann hätten wir wenige Monate nach dem Saisonstart des Leitungstrios Martin Wigger, Tomas Schweigen und Simon Solberg eine erste Antwort: Sie wagen was, sie zaudern nicht. Sie gehen aufs Ganze. Und aufs Ganze gehen, heißt auch, das...

Die Berufungsfarce

Seit Kaiser Franz Josephs Zeiten (bis zur Ära des János Kádár) haben Politiker entschieden, wer Intendant des Nationaltheaters wird. Ich verstehe nicht, wieso sie jetzt unbedingt diese Wettbewerbsfarce brauchen», bemerkte Mari Törocsik, eine der bekanntesten ungarischen Schauspielerinnen und Mitglied im so genannten «professionellen Komitee», das über die neue...

So sind sie halt

Man nehme eine überschaubare Anzahl von Figu­ren, typisiere sie so weit, dass sie eine genügend große Gruppe von Menschen abdecken, individualisiere sie so stark, wie zur Glaubhaftigkeit nötig: Auf dieses bewährte Muster greift Lutz Hübner mit «Richtfest» zurück. Man setze diese Figuren in eine gemeinsame Situation und hetze sie aufeinander. Die Lösung der...