Gefährdeter Humanismus
Die Macht der poetischen Sprache. Seit Schahrasads Stunt in den «Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht» gehört es zu den Aufgaben der Kunst, und nicht zu den geringsten, der Macht der Mächtigen die Macht der Fiktion entgegenzusetzen, um diese so im Idealfall zu bändigen.
Was könnte die Macht der Mächtigen, übertragen auf ein Bühnenbild, mächtiger veranschaulichen als die uneinnehmbar scheinenden, real sich auftürmenden riesigen Festungsmauern des Papstpalastes in Avignon? Hier in der Cour d’honneur, dem «Ehrenhof» des Palais des Papes, findet traditionell die Eröffnung des Theater-Festivals statt.
Die Bühne vor der Realmauer ist klinisch weiß und übersät mit Gittern, einer mobilen Abschrankung, offenen Trapez-Zelten, rollenden Feldbetten, dazu Waschbecken, alles sehr gebastelt und das Gegenteil von festgefügt. Zugleich verweist es auf Gefängnis, Klinik, Lazarett, Disziplinierung, Zwang und Kontrolle. Das Setting ist in sich ambivalent. Aber wie spielzeughaft mutet es erst vor diesen unverrückbaren Wänden an!
Die Choreografin Marlene Monteiro Freitas, «Artiste complice» des Festivals und ab 2026 auch im neuen «Artistic Board» der Berliner Volksbühne, hat sich für die ...
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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Festivals, Seite 12
von Andreas Klaeui
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Meine singuläre künstlerische Arbeitserfahrung mit Claus Peymann als Regisseur rührt aus dem Oktober 1988. Im Burgtheater wurde «Heldenplatz» von Thomas Bernhard geprobt. Es gab in Wien kein anderes Thema. Die Premiere sollte eigentlich längst über die Bühne gegangen sein, aber verdiente Ensemblegrößen wie Elisabeth Orth, auch sie ein 2025 gestorbenes Ehrenmitglied...
