Gefährdeter Humanismus

Festival d’Avignon: Marlene Monteiro Freitas, Anna Teresa De Keersmaeker und Solal Mariotte, Christoph Marthaler, Thomas Ostermeier, Ali Chahrour und Festivalleiter Tiago Rodrigues denken in Avignon darüber nach, was den Mensch zum Menschen macht

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Die Macht der poetischen Sprache. Seit Schahrasads Stunt in den «Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht» gehört es zu den Aufgaben der Kunst, und nicht zu den geringsten, der Macht der Mächtigen die Macht der Fiktion entgegenzusetzen, um diese so im Idealfall zu bändigen.

Was könnte die Macht der Mächtigen, übertragen auf ein Bühnenbild, mächtiger veranschaulichen als die uneinnehmbar scheinenden, real sich auftürmenden riesigen Festungsmauern des Papstpalastes in Avignon? Hier in der Cour d’honneur, dem «Ehrenhof» des Palais des Papes, findet traditionell die Eröffnung des Theater-Festivals statt.

Die Bühne vor der Realmauer ist klinisch weiß und übersät mit Gittern, einer mobilen Abschrankung, offenen Trapez-Zelten, rollenden Feldbetten, dazu Waschbecken, alles sehr gebastelt und das Gegenteil von festgefügt. Zugleich verweist es auf Gefängnis, Klinik, Lazarett, Disziplinierung, Zwang und Kontrolle. Das Setting ist in sich ambivalent. Aber wie spielzeughaft mutet es erst vor diesen unverrückbaren Wänden an!

Die Choreografin Marlene Monteiro Freitas, «Artiste complice» des Festivals und ab 2026 auch im neuen «Artistic Board» der Berliner Volksbühne, hat sich für die ...

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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Festivals, Seite 12
von Andreas Klaeui

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