Von Mäusen und Menschen: das Thalia-Ensemble in Ersan Mondtags Hamburger «Orestie»; Foto: Armin Smailovic
Geburt und Elend der westlichen Demokratie
Weiße Mäuse? Sie haben spitze Näschen, allerliebste Schnurrhaare und neckische, tiefrote Zwicker auf der Schnauze. Sie tragen faserige Flokati-Wuschel-Jäckchen, Schlaghosen und lustige Frisuren, die an die besten Post-Beatles-Zeiten erinnern. Dazwischen zeigt sich auch mal eine bunte Maus in Pink oder Orange. Und sogar eine Maus of Colour – natürlich nicht geblackfaced, sondern mit Dunkelstrumpfganzkörperkostüm.
So sehen die Bürger von Argos in Ersan Mondtags Hamburger «Orestie» aus und ihre Herrschersippe der Atriden: ein lässig nettes Designvolk aus dem nivellierten Mittelstand der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dezenten persönlichen Noten. Hier ein Farbtupfer, da eine Kastenbrille, dort eine Tragetasche vom «Club Azur». Die zoologische Nachfrage in der Thalia-Dramaturgie ergibt zwar, dass es sich eigentlich um weiße Laborratten handeln soll (Kostüme Josa Marx), aber für Nichtlaborratten bleibt das schwer zu erkennen. Im Übrigen sollen auch Laborratten sehr putzige Tierchen sein.
Im ersten Teil von Aischylos’ «Orestie» erschlägt Klytaimnestra ihren Gatten Agamemnon nach der Rückkehr von Troja, weil er die gemeinsame Tochter Iphigenie für besseren Fahrtwind geopfert ...
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Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Franz Wille
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