Ganz klein am größten
Sehr hoch, sehr rot sind die Lackpumps, mit denen der geschniegelte römische Abgesandte Ventidius um die barfüßige germanische Fürstengattin Thusnelda wirbt. Auf diesen hohen Hacken überragt die majestätische Wiebke Puls ihren Hermann um Haupteslänge, und wenn Peter Kurth, die gewaltige Wampe selbstbewusst vorgestreckt, sie zum Kuss zu sich herabzieht, befindet er sich in seiner Idealposition: Ganz klein ist der Cheruskerfürst in Armin Petras’ Kleist-Inszenierung am allermächtigsten.
Petras hat ihm in seiner geradlinigen Strichfassung die Gegenspieler fast vollständig aus dem Weg geräumt; die Feinde sind nur da als Hassprojektionen, die Hermann schürt, um die anderen Fürsten zur Schlacht im Teutoburger Wald zu formieren. Koste es, was es wolle, wenn’s sein muss auch die Vernichtung der Liebsten, Land, Leib und Leben.
Je gewaltiger die Atrozitäten sind, die Hermann in den schwarzen Raum stellt, umso harmloser schaut er aus der Wäsche. Ein Manipulator von Graden, kann er das eigene Ego so klitzeklein zusammenschnurren lassen, dass es sehr lange dauert, bis das Gefährliche des jovialen Kumpels erkannt ist: Er dient einer Idee, der nationalen Befreiung, und scheut keine Perfidie, sie ...
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