Dresden: Beginn einer wunderbaren Freundschaft
Die Chefetage des deutschen Fernsehens hat ein kleines Problem. Irgendwie möchte man ja seinem volkspädagogisch menschelnden Auftrag nachkommen und – wir schreiben die frühen 1990er Jahre – die private Entspannungspolitik zwischen den frisch wiedervereinigten Brüdern und Schwestern vorantreiben. Und es gibt sogar schon eine Idee: Die mysteriöse Existenzweise der Neu-Bundesbürger soll den alten mittels einer schmissig-aufklärerischen Fernsehserie nahegebracht werden.
Suboptimal nur, dass weder irgendein Sendeanstaltsmitglied noch der schöngeistige Romanerfolgsschriftsteller Anton Steinheim, den man aufs Drehbuch anzusetzen gedenkt, sich unmittelbar als Aufklärer empfehlen: Keiner kennt aus eigener Anschauung einen Ostler. Also schlägt die Stunde der Familie Grimm aus dem (prä-gentrifizierten) Prenzlauer Berg, die sich als gut bezahltes Untersuchungsobjekt zur Verfügung stellt.
Und weil man – universelle zwischenmenschliche Weisheit – einander gar keine beruhigendere Freude machen kann, als mit Grandezza sämtliche Klischees und Vorurteile zu bestätigen, die man wechselseitig so im Kopf hat, beginnen die Grimms, ihr vergleichsweise sensationsfreies Dasein vorm Autor Steinheim ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Christine Wahl
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