Dreigroschenhysterie
Kurzweil und Bildung, Vergnügen und Erkenntnis, Schönheit und Moral – das sind so die unvereinbaren Gegensätze, deren Versöhnung dem deutschen Theater seit ein paar Jahrhunderten aufgebürdet wird.
Kaum ein Theaterstück balanciert so heikel auf diesem schmalen Grat der Theaterutopie wie Brechts «Dreigroschenoper». Meistens dient sie nur als Beweisstück dafür, dass mitdenken im Theater sowieso nicht lohnt und das gefräßige Publikum alles Gedankenfutter doch nur in den Gefühlsbauch hinunterschlingt, statt es im Kopf zu verarbeiten.
Die Lust des Bürgertums am eigenen Untergang macht heute, nach seinem Untergang, noch immer Spaß. Wenn jemand diesen uns verdirbt, dann gibt es Ärger.
Wie jetzt in Bonn. «Unterhaltung und aggressive Kraft», das war Thirza Brunckens Formel für die Versöhnungsaufgabe, die sie mit ihrer Inszenierung der «Dreigroschenoper» auf sich nehmen wollte. Irgendetwas muss dem Bonner Generalintendanten Klaus Weise, der diese Inszenierung in Auftrag gegeben hatte, an dem Produkt dieser Synthese mächtig missfallen haben.
Nach einem Probenbesuch in der Endphase der Produktion ließ er eine Presseerklärung verbreiten, in der er sich von der Inszenierung distanzierte ...
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