Drag und Drama

Jan Casier beherrscht den gewaltigen Spagat zwischen Komödie und Tragödie, Posse und Weltschmerz. Begegnet ist dem Tänzer des Berliner Staatsballetts Dorion Weickmann

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Der Ballettsaal ist im Prinzip nichts anderes als ein Welt- und-Charakterkaleidoskop. Wer immer hereinschneit, hat die eigene Stimmung im Gepäck. Der Sunnyboy blinzelt gute Laune bis in die letzte Ecke, die Einfühlsame streichelt einer bedrückten Kollegin über die Wange, der Strebsame setzt zur x-ten Tour à la seconde an, fünf junge Damen sprechen die Modalitäten ihres gemeinsamen Auftritts ab, während ein besonders schöner Mann hereinschlendert und seinen geschmeidigen Körper hinter einer der Stangen ablegt, die unter der Dachschräge klemmen.

Kurz vor 13 Uhr hat die Probe am Berliner Staatsballett begonnen, heute unter aufmerksamer Beobachtung: Das Fernsehen ist da, der Kameramann schlängelt sich durch die Reihen und Cluster der Tänzer*innen, die Christian Spuck gemeinsam mit drei Ballettmeister*innen durch seine «Fearful Symmetries» schleust. Eine Woche noch bis zur Uraufführung, die John Adams’ gleichnamige Komposition auf die Bühne der Staatsoper bringen soll. Entsprechend wirkt die Choreografie «in transition», im Finalkorridor auf dem Weg zur Premiere, wiewohl sich die Umrisse ihrer Gestalt schon deutlich abzeichnen. Mittendrin, zwischen lauter Minikollektiven, die Feinheiten ...

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Tanz August/September 2026
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Dorion Weickmann

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