Die Welt ist keine Scheibe
Der belgische Künstler Hans op de Beeck ist vor allem für melancholische S-W-Aquarelle und begehbare Installationen bekannt. Eben das hat er jetzt auch für die Kammerspiele des Schauspiels Frankfurt geschaffen. Sein Stück «Nach dem Fest», aus dem Niederländischen von Rainer Kersten übertragen, ist eine Installation mit vier Schauspielern, und einer von ihnen spricht über seine S-W-Aquarelle.
Das Stück, eine Uraufführung und die erste Theaterarbeit von op de Beeck, kreist um eine Familie, der Vater ist renommierter Wissenschaftler, Tochter und Sohn sind Zwillinge, die, wenn auch räumlich weit getrennt, doch in einer Art Symbiose leben, ein mentales Fern-Cocooning sozusagen.
Jeder der drei hat auf der Bühne eine große kreisrunde Scheibe, Vater weiß, Sohn khaki, Tochter schwarz. Als Modell darauf ein Gebäude wie von Zaha Hadid (Vater), ein Einfamilienhaus 80er Jahre (Sohn), ein Haus aus dem vorletzten Jahrhundert (Tochter). Die Bedeutung dieser Modelle bleibt im Ungewissen: Traum, Erinnerung, Kommentar, Möglichkeit. Dazu Utensilien der Orte, der Vater befindet sich in einem weißen Kurbad, die Tochter bei ihm zuhause zwischen ihren Computern, mit denen sie im Dunkeln ihr eigentliches, ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Peter Michalzik
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