Die Wahrheit der Kunst
Was für ein Ekel: Von Beruf amerikanischer Erfolgsschriftsteller, der säuft wie ein Loch, bis seine Leber versagt; der seine Frau in den Selbstmord getrieben hat – so meint jedenfalls sein Sohn, zu dem er ein gründlich zerrüttetes Verhältnis pflegt; der den letzten und einzigen Roman der Gattin selbst als Material benutzt und als eigenes Werk ausgegeben hat; der darüberhinaus alle unverbesserlichen Attribute eines alten, weißen, toxischen Mannes pflegt – sogar Harvey Weinstein kann er bewundern.
Wozu das alles? Jacob McNeals zentraler Lebensanspruch ist Literatur mit Hochkunstanspruch zu schreiben, um irgendwann dafür den Nobelpreis zu ernten.
Ayad Akhtars «Der Fall McNeal» (abgedruckt in TH 5/25) breitet die pralle Pracht dieses Monsterautors in vielen liebevollen Zweierszenen farbenfroh aus, seinen Sexismus, seine Rücksichtslosigkeiten, seine Selbstgerechtigkeit. Und setzt noch ein Sahnehäubchen obendrauf, denn dieser Vertreter der hehren Kunst schreckt nicht davor zurück, sich beim Schreiben von ChatGPT auf die Sprünge helfen zu lassen – als Inspira -tion oder Starthilfe bei Schreibblockaden, man kann ja nie wissen.
Das Stück gibt ihm trotzdem – fast – recht, denn gleich zu ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Franz Wille
Gute Nachricht aus Köln? Ja, die gute Nachricht ist ein Termin. Doch damit die Nennung eines Termins eine gute Nachricht wird, muss schon vieles geschehen sein – oder nicht geschehen sein. Und in Köln war das Nicht-Geschehen lange die übliche Nachricht.
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