Die Spiegeltiere
Es gibt kein Draußen mehr. Seit die Theater im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen schließen mussten, haben sich die halböffentlichen Bühnenräume verschlossen. Es wird zwar weiterhin geprobt und gearbeitet, aber die Bühnen sind keine Orte der Zusammenkunft und des Austauschs mehr.
Und die einzigen künstlerischen Produkte, die noch an die Öffentlichkeit kommen, bespielen nur eine virtuelle Öffentlichkeit: Die Theater füllen das Internet, Orte wie das Hamburger Thalia Theater oder der Hannoversche Ballhof sind zu Studios geworden, aus denen heraus gesendet wird, keine Orte der Teilhabe mehr.
Dass Peter Jordan und Leonhard Koppelmann «Shockheaded Peter» von Julian Crouch und Phelim McDermott inszenieren sollten, plante das Thalia Theater schon länger. Die Pandemie sorgte allerdings dafür, dass die «Junk Opera» zur Musik von Tiger-Lillies-Sänger Martyn Jacques zur Online-Premiere wurde, was auf den ersten Blick unpassend wirkt: Die Theatersprache von Jordan und Koppelmann setzt auf Überwältigung und auf direkte Publikumsreaktionen, auf Lacher, rhythmisches Klatschen und eine mitreißende Begeisterung, die den manchmal krachledernen Humor dieser Inszenierungen erträglich macht. «Shockheaded ...
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Theater heute Mai 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 48
von Falk Schreiber
Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte, hat Elfriede Jelinek bereits 1979 in ihrem Ibsen-Sequel gezeigt: Da scheitert Nora im präfaschistischen Deutschland der Zwanziger Jahre bei dem Versuch, als Fabrikarbeiterin und selbstbestimmte Frau Fuß zu fassen.
Eine neue, ganz andere Nora-Wiedergängerin ist derzeit im Wiener Theatermuseum zu erleben. In...
«Wir Schwarzen müssen zusammenhalten› – eine Erwiderung» – das Titelzitat ist an sich schon eine Steilvorlage für einen postkolonialen Enthüllungszauber, wie ihn das vielköpfige Team um den Regisseur Jan-Christoph Gockel und den deutsch-togoischen Schauspieler Komi Togbonou an den Münchner Kammerspielen präsentiert. Als appropriative Erweiterung des allseits...
Anna Gmeyner wurde am 16. März 1902 in ein großbürgerlich-liberales Elternhaus in Wien geboren. Der Vater war Anwalt, die drei Töchter – Anna war die Älteste – wuchsen in einer geistig anregenden Atmosphäre auf. Die Beziehung zu ihrem Vater, sollte die Autorin später feststellen, ist die fundamentalste in ihrem Leben. In einem offenbar autobiografischen Text, der...
