Die Macht in der Stadt

Die Berliner Festspiele sorgen mit ihrem Projekt «DAU Freiheit» für einen besonderen «Otto» und heiße Diskussionen

Theater heute - Logo

Das hatten sich die Veranstalter so schön ausgedacht: Berlin, heutzutage ja auch nur eine europäische Hauptstadt unter anderen, sollte über Nacht sein jahrzehntelanges Alleinstellungsmerkmal, die Mauer, wieder­bekommen – und zwar als Frühstücksüberraschung am Morgen des 12. Oktober.

«Otto» ist der geheime Codename des über ein Kilometer langen neoantifaschistischen Schutzwalls, bestehend aus 800 originalgetreuen Betonsegmenten, jedes 2,7 Tonnen schwer, die mehrere Dutzend Tieflader über Nacht herbeischaffen sollten, um ein Areal in der Berliner Mitte zwischen Unter den Linden und Französischer Straße zu umschirmen: die Alte Kommandantur, die Staatsoper, die Bauakademie, das Kronprinzenpalais – alles hinter Mauern und für Normalsterbliche nur noch zugänglich nach Ausgabe spezieller Visa, unter Abgabe der Handys und nach strenger Kontrolle.

Im Ernst? Ja und nein. Die Berliner Festspiele als Veranstalter haben sich das Event ausgedacht, um eines der ausgefallensten Filmprojekte der letzten Jahre angemessen zu präsentieren. Der russische Regisseur Ilya Khrzhanovsky hat zwischen 2009 und 2011 im ukrainischen Charkiv eine Art filmanthropologisches Experiment veranstaltet, in dem bis zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Comic: Krrrr, schnief, grmpf

Auf den gut 150 Seiten von Mathieu Sapins Comic-Porträt «Gérard – Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu» trinkt der große französische Schauspieler mit russischem Pass (seit 2013) ausschließlich Wasser, selbst wenn um ihn herum die Party tobt. Nur einmal, auf einer Reise nach Moskau, greift er im Anwesen seines Freundes, des ehemaligen Militärarztes Sergej,...

Hamburg: Ach, Gottchen

Das Hamburger Thalia Theater und die Popmusik, das ist eine nicht erwiderte Liebe. Immer wieder versucht man hier, Inszenierungen entlang von Popsongs zu strukturieren, immer wieder fällt man damit auf die Nase – vergangene Saison unter anderem mit Stefan Puchers Abba-«Tartuffe», Ene-Liis Sempers und Tiit Ojasoos Rammstein-«Hänsel und Gretel» und Jette Steckels...

Ein Diener des zivilen Zusammenlebens

Seit genau zehn Jahren macht Steffen Mensching Theaterarbeit im ostdeutschen Hinterland. Als Intendant der Bühne in Rudolstadt hat er in der Zeit das Vertrauen seines Publikums gewonnen, hat gegen die Rechten in der Stadt gekämpft – und obendrein seinen vierten Roman geschrieben, das 800 Seiten starke Opus «Schermanns Augen». Wer mit Mensching spricht, wird hören,...