Die Macht in der Stadt
Das hatten sich die Veranstalter so schön ausgedacht: Berlin, heutzutage ja auch nur eine europäische Hauptstadt unter anderen, sollte über Nacht sein jahrzehntelanges Alleinstellungsmerkmal, die Mauer, wiederbekommen – und zwar als Frühstücksüberraschung am Morgen des 12. Oktober.
«Otto» ist der geheime Codename des über ein Kilometer langen neoantifaschistischen Schutzwalls, bestehend aus 800 originalgetreuen Betonsegmenten, jedes 2,7 Tonnen schwer, die mehrere Dutzend Tieflader über Nacht herbeischaffen sollten, um ein Areal in der Berliner Mitte zwischen Unter den Linden und Französischer Straße zu umschirmen: die Alte Kommandantur, die Staatsoper, die Bauakademie, das Kronprinzenpalais – alles hinter Mauern und für Normalsterbliche nur noch zugänglich nach Ausgabe spezieller Visa, unter Abgabe der Handys und nach strenger Kontrolle.
Im Ernst? Ja und nein. Die Berliner Festspiele als Veranstalter haben sich das Event ausgedacht, um eines der ausgefallensten Filmprojekte der letzten Jahre angemessen zu präsentieren. Der russische Regisseur Ilya Khrzhanovsky hat zwischen 2009 und 2011 im ukrainischen Charkiv eine Art filmanthropologisches Experiment veranstaltet, in dem bis zu ...
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Theater heute Oktober 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
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