Die Frage, die keiner stellen kann
Bei lebendigem Leib zerstückelt, mit Fußtritten getötet, vom Auto überfahren – tote Kinder sind in Dea Lohers Literatur ein ständig wiederkehrender Schock, um von der Hilflosigkeit des Trauerns zu erzählen.
Das verzweifelte Ringen um Tapferkeit, das als Leitmotiv seit Anfang der Neunziger ihre Stücke und auch ihren jüngst erschienenen Roman «Bugatti taucht auf» verbindet, hat Dea Loher immer wieder aus der Perspektive von Eltern beschrieben, die sich mit dem größten vorstellbaren Verlust konfrontiert sehen – und Wege finden müssen, mit dem Schmerz und den eigenen Schuldgefühlen umzugehen.
Aus diesen schwarzen Momenten hat Loher einige ihrer eindrücklichsten Figuren erschaffen, etwa den guten Polizisten in «Das Leben auf der Praça Roosevelt», der seinen Sohn überredet, aus dem Drogengeschäft auszusteigen, was zu dessen grauenerregendem Foltertod durch das Kartell führt, oder der rätselhafte Fremde in «Das letzte Feuer», der sich die Fingernägel bis zum Knochen abfeilt. Das Memento mori, das Loher beharrlich gegen das Zeitalter ewiger Jugend in immer neuen Varianten ausmalt, fand im Motiv des toten Kindes stets seine größte Schwerkraft und Verzweiflungshitze.
Abschied ohne Gründe
In ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Till Briegleb
2./Sonntag
20.15, arte: Ein russischer Sommer
Spielfilm (2009) von Michael Hoffman, mit Helen Mirren, Christopher
Plummer, Anne-Marie Duff, James McAvoy u.a.
12./Mittwoch
22.25, 3sat: Der Knochenmann
Spielfilm (2009) von Wolf Haas, mit Josef Hader, Birgit Minichmayr,
Josef Bierbichler u.a., Regie Wolfgang Murnberger
13./Donnerstag
0.05, arte: Hotel Spielfilm (2004) von...
Das Gute liegt oft näher, als man denkt: Schwerpunktthema der österreichischen Nationalbühne ist in dieser Spielzeit österreichische Literatur. Eröffnet wurden die Österreich-Wochen am Burgtheater mit einer hauptsächlich effektvollen Inszenierung von Ferdinand Raimunds Psycho-Zaubermärchen «Der Alpenkönig und der Menschenfeind» durch den jungen Regisseur Michael...
Der Baum ragt mächtig in die Höhe. Er muss ein biblisches Alter haben. Um den Stamm schlängeln sich Luftwurzeln über den Boden, schenkeldick, fantastisch verknotet, voller Fußangeln. Muriel Gerstners Bühnenbild im Schauspielhaus Zürich ist wie für den Sündenfall geschaffen.
Gefühlsverwirrung, Geschlechterverwirrung, Identitätsverwirrung – das ist das Knäuel, aus...
