Die Frage, die keiner stellen kann
Bei lebendigem Leib zerstückelt, mit Fußtritten getötet, vom Auto überfahren – tote Kinder sind in Dea Lohers Literatur ein ständig wiederkehrender Schock, um von der Hilflosigkeit des Trauerns zu erzählen.
Das verzweifelte Ringen um Tapferkeit, das als Leitmotiv seit Anfang der Neunziger ihre Stücke und auch ihren jüngst erschienenen Roman «Bugatti taucht auf» verbindet, hat Dea Loher immer wieder aus der Perspektive von Eltern beschrieben, die sich mit dem größten vorstellbaren Verlust konfrontiert sehen – und Wege finden müssen, mit dem Schmerz und den eigenen Schuldgefühlen umzugehen.
Aus diesen schwarzen Momenten hat Loher einige ihrer eindrücklichsten Figuren erschaffen, etwa den guten Polizisten in «Das Leben auf der Praça Roosevelt», der seinen Sohn überredet, aus dem Drogengeschäft auszusteigen, was zu dessen grauenerregendem Foltertod durch das Kartell führt, oder der rätselhafte Fremde in «Das letzte Feuer», der sich die Fingernägel bis zum Knochen abfeilt. Das Memento mori, das Loher beharrlich gegen das Zeitalter ewiger Jugend in immer neuen Varianten ausmalt, fand im Motiv des toten Kindes stets seine größte Schwerkraft und Verzweiflungshitze.
Abschied ohne Gründe
In ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Neue Stücke, Seite 24
von Till Briegleb
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles...
Mehr als drei Dutzend Stücke hat Lutz Hübner in den letzten 18 Jahren geschrieben, er war damit beim Theatertreffen (2005 mit «Hotel Paraiso») und bei den Mülheimer Theatertagen. Vor allem aber und anders als die Mehrzahl der in Mülheim Geehrten: Er wird nachgespielt, eine sichere Bank in der Mischkalkulation aus U und E, um die kein Theater heute mehr herumkommt....
Wer 23 Jahre nach dem Mauerfall immer noch missmutig in west-östlichen Differenzen herumstochert, könnte als Lockerungsübung den Dresdner Theaterabend «Das normale Leben oder Körper und Kampfplatz» buchen. Denn der gemeine Sachse, legt diese dramatische Studie des Dänen Christian Lollike titelkonform nahe, laboriert an ganz ähnlichen Problemen wie seine Kollegen...
