Das unschuldige Böse

Am Schauspielhaus Bochum inszeniert Johan Simons Shakespeares «Macbeth» mit nur drei Spieler:innen, Taner Sahintürk nimmt im Gorki-Studio Berlin ein Mixtape auf: «Alles wird schön sein»

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Zu dritt stehen sie zu Beginn auf der Bühne, in schwarzen Smokings, Fliege und weißen Hemden wie aus dem Ei gepellt: Der hochgewachsene Stefan Hunstein mit langem, strähnigem Haar, der vergleichsweise zarte Jens Harzer mit graumeliertem Wuschelkopf, und Marina Galic, die wie ein junger Mann etwas linkisch unter der schwarzen Tolle hervorlugt. Eine Band, eine verschworene Bande, eine seltsame Dreifaltigkeit. Zu dritt treffen sich auch die Hexen bei Shakespeare.

In der Fassung von Angela Schalenec und Jürgen Gosch, die Koen Tachelet für das Schauspielhaus Bochum nochmal gestrafft hat, bleibt ihnen nur ein Kinderreim – und die Umwertung aller Werte: «Schön ist schlimm und schlimm ist schön.»

In die Hände von drei Verwandlungs-, also Hexenkünstler:innen legt Johan Simons Mac -beths Tragödie. Das Schottland, in dem sie konspirieren, besteht aus zwei porzellanweiß gekachelten Becken im Bühnenboden – Nadja Sofie Eller weckt damit Schlachthof- und Blutbadassoziationen. Doch zunächst könnte es auch das kühle Boudoir eines schottischen Castles sein, mit ein paar schlichten Schemeln und einem Plattenspieler, auf dem exakt zwei unschottische Lieder gesungen werden: Die Pärchenerotikhymne «Je ...

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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Eva Behrendt

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