Foto: Archiv
Daniela Kurz: Rauschraum
Der Tanz scheint vielerorts mitten in der Gesellschaft angekommen zu sein. Vielfach aus den Theaterräumen ausgezogen, ist er in den öffentlichen Raum eingezogen und sucht dort sein Publikum. Dabei hat er neue Inhalte für sich erobert. Getrieben vom Event-Zeitgeist der Informationsgesellschaft, verliert er sich inzwischen zunehmend in einer immer raffinierter ausgeklügelten Virtuosität und wird so Teil des Spiels, das er eigentlich infrage stellen wollte.
Aufwühlende, provokante, drastisch schockierende Bilder sollten in der Tanz- und Theaterarbeit des 20. Jahrhunderts Konflikte sichtbar machen und gesellschaftliche Debatten anregen. Doch die Allmacht der digitalen Bilderflut des 21. Jahrhunderts schwächt diesen Diskurs, die Theaterbilder erscheinen wie Abzieh-Tattoos, die nicht mehr unter die Haut gehen. Kann ein Publikum, das seine Existenz in den virtuellen Raum kopiert und dort die Gewalt der globalen Bilderströme «teilt», sich noch auf die Bilder des Theaters einlassen und aus ihnen schöpfen? Werden dem Tanz durch diese digitalen Fluten nicht gerade die Bilder vorweggenommen, die er so dringend selbst braucht, um am Puls der Zeit die ihm eigenen Akzente zu setzen und seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 110
von Daniela Kurz
Berlin, 6. Juli 2017
Lieber Tanz,
in den letzten Jahren haben wir dir so viele Briefe geschrieben, und noch immer antwortest du nicht. Wir warten darauf wohlwissend, dass Schreiben nicht so dein Ding ist. In der Zwischenzeit werden wir die Menschen weiterhin bitten, dich anzuschreiben, um dir zu sagen, was ihnen wichtig ist in Bezug auf dich, wie sie mit dir leben...
«Ich bin zu sarkastisch, um ein Huhn zu tanzen und das wirklich zu genießen», sagt er lachend. Was macht ein Brite, der mit einem Lieblingsballett der Londoner, Frederick Ashtons «La Fille mal gardée», so gar nichts anfangen kann? Er sucht sich anderswo Arbeit. Schon mit 15 Jahren zog sich Adam Russell-Jones Videos vom Nederlands Dans Theater (NDT) rein und war...
Panaibra Gabriel Canda arbeitet seit 1993 als Tänzer und Choreograf in Maputo/Mosambik und im Rest der Welt. Bei seinen zahlreichen Festivalauftritten in Europa wird man jedes Mal daran erinnert, dass intellektuell grundierter Tanz nicht zwangsläufig langweilig sein muss, sondern ganz lebensprall und humorvoll daherkommen kann. Panaibras berühmte «Marrabenta Solos»...
