Foto: Archiv
Daniela Kurz: Rauschraum
Der Tanz scheint vielerorts mitten in der Gesellschaft angekommen zu sein. Vielfach aus den Theaterräumen ausgezogen, ist er in den öffentlichen Raum eingezogen und sucht dort sein Publikum. Dabei hat er neue Inhalte für sich erobert. Getrieben vom Event-Zeitgeist der Informationsgesellschaft, verliert er sich inzwischen zunehmend in einer immer raffinierter ausgeklügelten Virtuosität und wird so Teil des Spiels, das er eigentlich infrage stellen wollte.
Aufwühlende, provokante, drastisch schockierende Bilder sollten in der Tanz- und Theaterarbeit des 20. Jahrhunderts Konflikte sichtbar machen und gesellschaftliche Debatten anregen. Doch die Allmacht der digitalen Bilderflut des 21. Jahrhunderts schwächt diesen Diskurs, die Theaterbilder erscheinen wie Abzieh-Tattoos, die nicht mehr unter die Haut gehen. Kann ein Publikum, das seine Existenz in den virtuellen Raum kopiert und dort die Gewalt der globalen Bilderströme «teilt», sich noch auf die Bilder des Theaters einlassen und aus ihnen schöpfen? Werden dem Tanz durch diese digitalen Fluten nicht gerade die Bilder vorweggenommen, die er so dringend selbst braucht, um am Puls der Zeit die ihm eigenen Akzente zu setzen und seine ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 110
von Daniela Kurz
Achttausend Menschen fasst das griechische Epidaurus-Theater, und das seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. Es ist der älteste Festivalort der Welt. Seit zwei Jahren ist Matthias von Hartz dort Programmmacher. Der 47-Jährige kuratierte von 2006 bis 2011 das «Impulse»-Festival in NRW, leitete bis 2012 das «Internationale Sommertheaterfestival» auf Kampnagel in Hamburg und...
Du betrittst den großen Ausstellungsraum. Blau-rotes Licht leuchtet auf Stoffe, die Lautsprecher verkleiden. Auf einer Seite steht ein skelettartiges Kugelobjekt mit dünnen blauen Elektrolumineszenz-Fasern, die wie Dendriten leuchten.
Du bewegst dich zwischen den Lautsprechern hindurch, die in dem Stoffwald verteilt sind, und bemerkst die subtil wechselnden Klänge,...
Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich...
