Christos Papadopoulos «My Fierce Ignorant Step»
Der aufstrebende griechische Choreograf Christos Papadopoulos eröffnete das Wiener Festival «ImPulsTanz» mit einer schweißtreibenden und faszinierenden Meditation über Politik, Gemeinschaft und Freude: «My Fierce Ignorant Step», 2024 uraufgeführt und im September bei der 50. Ausgabe des Genfer «La Bâtie»-Festivals zu sehen.
Was mit wiederkehrenden, kurzen Knallgeräuschen beginnt – die sowohl als Musik als auch als Signalgeber für die subtilen Bewegungen der Tänzer dienen –, wächst in nur 60 Minuten zu einem kurzen, aber inspirierenden Sieg über den zynischen Ungeist der Gegenwart heran. Papadopoulos versetzt die zehn Performer*innen in einen Zustand ständigen Widerstands: Es wirkt, als müssten sie sich den Weg durch zähe Luftmassen bahnen. Ihre minimalistischen Gesten weiten sich aus, die Intensität ihrer Präsenz steigert sich im Einklang mit der Musik von Kornilios Selamsis, die auch ihre lauten Atemgeräusche aufsaugt. Unweigerlich fühlt man sich an Ravels «Boléro» erinnert.
Der Minimalismus des Stücks ist jedoch nicht rein ästhetischer Natur – obwohl sein kaltes Licht, die nackte schwarze Bühne und die (zunächst) ausdruckslosen Gesichter der synchron agierenden Tänzer*innen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2026
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Plamen Harmandjiev
Dunkelheit. Nackte Körper schweben, gleiten in eine nebelartige Schicht und verschwinden. Der schwarze Raum ist eine Cenote, eine wassergefüllte Kalksteinhöhle – kristallklares, unsichtbares Wasser. Die Körper sind Apnoetaucher, und die undurchsichtige Zone ist die Chemokline, in der Süß- und Salzwasser aufeinander treffen, sich aber nicht vermischen.
Wasser steht...
Eine Ausstellung? Wer den kleinen Raum im Tanzmuseum Köln betritt, bleibt irritiert an der Schwelle stehen: Der Boden ist schwarz, darauf sind in weißer Schrift Zitate notiert. Wenige Objekte sind im Raum verteilt, an den Wänden hängen umlaufende Fotografien, streng nebeneinander angeordnet. Auch rote Scheiben mit Erinnerungssplittern, poetische wie schockierende,...
Der Anthropozentrismus ist ein spirituelles Übel, das ins ökologische Desaster führt. Niemand will das, niemand weiß es zu verhindern. Auch der Tanz nicht. Aber letzterer eignet sich wunderbar, um die Vorherrschaft des industrialisierten Homo erectus infrage zu stellen, ganz ohne didaktische Paukenschläge. Besonders prägnante Bilder entstehen, wenn Vögel ins Spiel...
