Bonn: Inklusion statt Wunder
Samuel Koch, der bei «Wetten, dass …?» verunglückte Schauspieler, ist das jüngste Beispiel für die Diskussion über Inklusion auf dem Theater. Bei den bisherigen Inszenierungen des Staatstheaters Darmstadt mit Samuel Koch schien es um die Erkundung der Wirkungen zu gehen, die entstehen, wenn ein Querschnittgelähmter die Rolle eines körperlich nicht Behinderten spielt. Bei Sandra Strunz’ Bonner Inszenierung von Joseph Roths «Hiob» geht es weniger um die neue Deutung einer Rolle durch die besondere Individualität eines Schauspielers als um die Behinderung selbst.
Samuel Koch spielt Menuchim, das behinderte Kind des gottesfürchtigen Dulders Mendel Singer.
Aus dem vielfältigen Themenangebot des Romans – Emigration, ostjüdische Nostalgie, Theodizee – greift sich die Inszenierung dezidiert das Thema Behinderung heraus. Diese Konzentration auf ein Thema versucht sie auszugleichen durch eine Vervielfältigung der Mittel. Es gibt nicht nur ein symbolträchtiges Bühnenbild (Bühne & Kostüme: Sabine Kohlstedt), ein stählernes Rundgitter, in dessen Mitte sich dann Mendel stellt. Die Welt als eiserne Dornenkrone auf dem Haupt des Leidenskönigs. Es gibt auch kommentierende Musik: die Gebrüder ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Gerhard Preußer
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